Aus dem Hebräischen von Markus Lemke. Fanny Kajsman hat genug. Ihr nutzloser Schwager ist nach Minsk abgehauen und hat ihre Schwester im Schtetl zurückgelassen. Kurzerhand trifft Fanny eine skandalöse Entscheidung: Sie wird ihren Schwager eigenhändig zurückholen. Bewaffnet mit einem Schlachtermesser und einer gehörigen Portion Starrsinn bricht sie auf, aber die Straßen des Russischen Kaiserreichs sind gefährlich. Als sich ihr der stumme Fährmann Cicek Berschow anschließt, ist sie dankbar um die Begleitung. Doch ein Schlamassel jagt das nächste, Fannys schlichter Plan wächst sich zu einer mittelgroßen Katastrophe aus und bringt bald die Grundfesten des Russischen Reiches ins Wanken. Ein rasanter Roadtrip durch das 19. Jahrhundert, eine Ode an Mut und Freundschaft und die Suche einer unvergesslichen Heldin nach Gerechtigkeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2024
Yaniv Iczkovits ist israelischer Sprachphilosoph, weiß Rezensent Jakob Hessing, jetzt hat er einen komplexen, sehr überzeugenden Roman vorgelegt: Die Protagonistin Fanny ist eine Ostjüdin, die Ende des 19. Jahrhunderts im Zarenreich lebt. Die Zeit- und Ortsangaben sind aber nicht als absolut zu verstehen, erklärt Hessing, sondern vielmehr als "mythologische Landschaft", in der eine fast magische Geschichte angesiedelt ist, in der Fanny die von ihrem Ehemann verlassene Schwester rächt. Was, wie der Kritiker einräumt, zunächst recht klassisch klingt, wird vom Autor durch "mythologische Züge" angereichert, etwa durch einen rätselhaften Fährmann und ein die Figuren umzingelnder Geheimdienst. Dass die zentrale Geschichte noch durch eine Skizzierung des jüdischen Patriarchats und die Rekrutierung von Kindersoldaten im 19. Jahrhundert ergänzt wird, macht den Roman für Hessing noch spannender.
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