Klappentext

Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler. Ein ukrainisches Dorf Ende des 19. Jahrhunderts: Das junge Mädchen Katerina verlässt nach dem Tod ihrer Mutter das Elternhaus, in dem sie nur Lieblosigkeit und Gewalt erfahren hat. In der Stadt findet sie Arbeit bei einer jüdischen Familie. Zuerst verachtet sie deren Lebensgewohnheiten, doch mit der Zeit faszinieren sie jüdische Sprache, Tradition und Religion immer mehr. Als die Eltern der Familie bei Pogromen ermordet werden, landet Katerina auf der Straße. Die Nähe zu diesen Menschen - im Hausherrn hatte sie ihre große Liebe gefunden - hat sie jedoch verändert, ihre eigenen Landsleute sind ihr fremd geworden. Ziellos irrt sie umher, lebt von Gelegenheitsarbeiten, schläft, wo sich ein Bett findet. Und dann verliebt sich die junge Frau doch noch einmal: in Sami, einen Juden, wie sie selbst auf der Suche nach einem Platz im Leben. Endlich scheint alles gut zu werden. Katerina wird schwanger und ist glücklich mit ihrem kleinen Benjamin. Aber dann wird ihr Sohn brutal ermordet, und Katerina will nur eines: Rache.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2010

Sehr beeindruckt ist Rezensentin Judith Leister von diesem Roman Aharon Appelfelds, der von einem Frauenschicksal erzählt, das in seiner Tragik und seinen ständigen Umschlägen eigentlich nur  in Osteuropa spielen kann. Katerina heißt die Heldin, sie ist eine junge Ukrainerin (Ruthenin), die an die falschen Männer und auf die schiefe Bahn gerät und als Dientbotin in wohlhabenden jüdischen Haushalten Aufnahme findet. Aus Dankbarkeit erzieht sie ihren - unehelichen - Sohn jüdisch, was im Zuge der deutschen Besatzung sein Todesurteil bedeutet. Leister betont, dass es Appelfeld nicht um historische Wahrheit oder soziologische Wahrscheinlichkeit geht, sondern um innere Konflikte, die Tragik der Bukowina und die Poesie, weswegen sie die etwas dualistische Darstellung von jüdischer und ukrainischer Bevölkerung nur ganz milde kritisiert und gern verzeiht.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.10.2010

Für Insa Wilke ist "Katerina" schlicht der beste Roman Aharon Appefelds, dasses trotzdem 21 Jahre gedauert hat, bis er - von Mirjam Pressler wie immer wunderbar passend - ins Deutsche übersetzt wurde, erklärt sich die Rezensentin mit dem Umstand, dass hierzulande nach 1989 einfach nicht die Zeit für Geschichten tiefer Trennung war. Denn das ist für Wilke dieser Roman, der von der Ukrainerin Katerina erzählt, die von ihrem trunksüchtigen Vater in die Stadt flüchtet und Aufnahme bei Juden findet. Aus Dankbarkeit über die erfahrenen Wohltaten erzieht sie ihren Sohn als jüdisch, nicht ahnend, welchem Unheil sie ihn damit ausliefern sollte. Wilke hat den Roman als Warnung vor der "Gefahr der Assimilation" gelesen, die Zeit für ihn hält sie also aus gleich mehreren Gründen für gekommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.06.2010

Mit spürbarer Faszination hat Rezensent Jürgen Verdofsky dieses "Stationendrama" um ein ruthenisches Bauernmädchen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts gelesen, das langsam in die Welt der Juden eintaucht, den Antisemitismus bis zu seinen schlimmsten Exzessen kennen lernt, "tribalische Grenzen" überschreitet und schließlich zur Mörderin wird. Der Roman versucht, so der Eindruck des Kritikers, zum "Menetekel der Judenhatz in der Figur der Katerina ein Gegenbild" zu entwerfen. Für Verdofsky liest sich ihre "gegenläufige Assimilation" allerdings in Teilen eher wie ein Leitfaden durch das rituelle jüdische Leben. Das ist für seinen Geschmack jedoch mehr, als eine lebensnahe Romanfigur tragen kann. Der überzeugende Grundeinfall kippt dadurch zu seinem großen Bedauern "stellenweise zum Thesenroman" . Dennoch findet er das vor zwanzig Jahren im Original erschienene Buch höchst lesenswert. Gelobt wird auch die behutsame Übersetzung von Miriam Pressler.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.04.2010

Rezensent Andreas Breitenstein ist nicht gerade angetan von diesem frühen Roman des Autors Aharon Appelfeld, der später in seiner Laufbahn mit seiner "lakonischen Sprache" große "mythische Dramen" schuf. Diese Geschichte einer jungen Frau, die trotz ihrer antisemitischen Umgebung ihre Liebe zur jüdischen Kultur entdeckt, ist seiner Meinung nach ein etwas behäbiger "Thesenroman". Obwohl sie viel erlebt und ein "bewegtes Schicksal" hat, bleibt die Heldin aufgrund des ausgeprägten Sendungsbewusstseins ihres Schöpfers blass und blutleer. Darüber tröstet den Rezensenten auch nicht hinweg, dass er hier schon deutlich Appelfelds Händchen für Milieuschilderungen und "atmosphärische Dichte" erkennen kann.