Im Kalten Krieg standen sich sowjetkommunistische Parteidiktaturen und westliche Demokratien unversöhnlich gegenüber. Zugleich mussten die Verantwortlichen beider Seiten darauf bedacht sein, einen Krieg zu verhindern - denn er wäre mit Atomwaffen geführt worden und hätte mit der Vernichtung der Menschheit zu enden gedroht. Bemühungen zum Abbau der Konfrontation, zur Sicherung einer friedlichen Austragung des Systemgegensatzes und zur Stärkung der Kooperation zwischen Ost und West gab es daher seit Beginn des Ost-West- Konflikts, immer wieder unterbrochen von Spannungsschüben, von Abkapselung und Verhärtung. Auf der Grundlage neuer Quellen verdeutlicht Wilfried Loth, wie die Entspannungspolitik zur Überwindung des Kalten Kriegs und zum Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums führte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2016
Gregor Schöllgen kennt Wilfried Loth als einen der besten Kenner des Kalten Krieges. Auch wenn der vorliegende Band laut Schöllgen nicht neu ist, sondern die aktualisierte Fassung einer erstmals 1998 erschienenen Studie, anerkennt der Rezensent den faktensatten, quellendichten und gut lesbaren Bericht, den der Autor hier vorlegt. Was lernt Schöllgen? Dass die Lage im Kalten Krieg derart war, dass es viele Personen gab, die über Krieg und Frieden entscheiden konnten, so in der Kuba-Krise, als Kennedy, Chrustschow, aber auch ein U-Boot-Kommandant die Welt vor dem Inferno bewahrten. Ferner, dass Brandt und Bahr offenbar maßgeblich für das Ende des Ost-West-Konflikts verantwortlich waren. Allerdings ahnt der Rezensent auch, dass der Autor die Quellen seit 1998 nur selektiv ausgewertet hat, wenn er zu diesen Ergebnissen kommt. Wer noch Genaueres wissen möchte, dem empfiehlt Schöllgen etwa die Berliner Willy-Brandt-Ausgabe oder den Sonderband zum Zwei-plus-vier-Prozess.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.12.2016
Auch wenn Werner Bührer keine konkreten Leitsätze entdeckt zum Umgang mit Russland heute in Wilfried Loths Buch, Hinweise auf die mögliche Tragfähigkeit bewährter Strategien aus der Zeit des Kalten Krieges kann er herauslesen, wenn der Autor seine zwar konventionelle, aber von klaren Aussagen geprägte Politik- und Diplomatiegeschichte schreibt. Elegant und anschaulich erzählt ihm der Historiker von den Unterschieden zwischen Rhetorik und Realpolitik und relativiert damit laut Bührer aktuelle Ängste und Befürchtungen. Auch wenn der Band auf eine Publikation Loths von 1998 zurückgeht und keine bahnbrechenden Quellenfunde zu bieten hat, wie Bührer einräumt, die Erweiterung um neuere Forschungserträge und einige neue Abschnitte, etwa über das "neue Denken" in Ost und West in den frühen 1980er Jahren, ergeben für den Rezensenten einen informativen Überblick über die Entspannungspolitik und die laut Loth damit einhergehende Etablierung westlicher Werte im Machtbereich der Sowjetunion.
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