Walter Kempowski

Somnia

Tagebuch 1991
Cover: Somnia
Albrecht Knaus Verlag, München 2008
ISBN 9783813503135
Gebunden, 557 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Mit seinem vielbändigen Echolot fand Walter Kempowski eine literarische Form für das kollektive Gedächtnis. Darin bewahrte er auf, was uns allen verloren zu gehen drohte. Seine eigenen Tagebücher dagegen sind der literarische Ort seines individuellen Gedächtnisses und gewähren einen Einblick in das Seelenleben eines der bedeutendsten Schriftsteller der deutschen Gegenwartsliteratur.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.06.2008

Wachgeblieben ist die Rezensentin Maike Albath bei der Lektüre von Walter Kempowskis Tagebuch "Somnia", das das Jahr 1991 umfasst. Das "kaleidoskopartige Gebilde", die "Lebenskristalle", die vom Autor selbst noch einmal mit Anmerkungen versehen wurden und nun postum erschienen, betrachtet Albath vor dem Hintergrund der Empfindung Kempowskis, dass selbst Nebensächliches später Bedeutung entwickeln könne. Von der erotisierenden Wirkung von Nachrichtensprecherinnen bis zu Kohl und Gorbatschow schreibt der Schriftsteller akribisch genau über jedes noch so kleine Alltagsdetail. Durch den humorvollen Ton nimmt die Rezensentin dabei immer auch die Verzweiflung des 2007 gestorbenen Kempowski wahr, von dessen traumatischen Kriegserlebnissen und seiner Bautzner Haftzeit sie ebenfalls berichtet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.06.2008

Walter Kempowskis nun postum erschienenes Tagebuch "Somnia" aus dem Jahr 1991 weist den 2007 verstorbenen Autor als "begnadeten Zapper" aus, der darin nicht zuletzt seine exzessiven TV-Sessions festgehalten hat, berichtet Ijoma Mangold. Auch im Tagebuch springe Kempowski zwischen den verschiedensten Themen und Vorkommnissen, reiße vieles an und sei immer "mittendrin" in seinen Geschichten, so der Rezensent. Den besonderen Reiz machen in diesen Aufzeichnungen dann auch nicht etwa die letztgültigen Wahrheiten oder die lückenlos erzählten Geschichten aus, sondern vielmehr die festgehaltenen "Affekte", betont der Rezensent, der sowohl den Anflügen von Misslaunigkeit und Rechthaberei als auch den notierten Glücksgefühlen empathisch folgt. Keiner hat je so offenherzig auch über niedere Regungen wie Neid und das Gefühl von Zurücksetzung geschrieben, meint Mangold, der gerade diese Aufrichtigkeit so erfrischend und sympathisch findet. Wenn er dieses Tagebuch nicht ganz so fesselnd findet wie die Aufzeichnungen aus dem Jahr 1990, die unter dem Titel "Hamit" erschienen sind, so liegt das daran, dass so manches Motiv wie die Wiedervereinigung oder die Kommunismuskritik in "Somnia" lediglich weitergeführt und nicht mehr ganz frisch festgehalten wird.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.05.2008

Fasziniert zeigt sich Rezensent Rainer Moritz von Walter Kempowskis letztem Werk, seinem Tagebuch des Jahres 1991. Er nennt den Schriftsteller einen "kautzig-großartigen Mann" und "Beobachtungsvirtuosen". Erstaunlich findet Moritz die Offenheit, mit der Kempowski schreibt, beeindruckend, wie er Notizen zu seinen Arbeiten mit Tageseindrücken, Erinnerungen, Urteilen über Politker, Kollegenschelten, Fernsehfrüchten und familiären Begebenheiten vermischt. Angetan haben es ihm dabei die verschiedenen Tonlagen, die der Schriftsteller anschlägt, hoch und tief, komisch und ernst. "Wer sich einmal auf diesen so engen wie weiten Kempowski-Kosmos einlässt", resümiert der Rezensent, "kommt nicht umhin, dem damals 62-Jährigen fast willenlos zu folgen."

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.05.2008

Einen interessanten Blick in die Welt Walter Kempowskis gewährt für Eva Behrendt das nun vorliegende, postum erschienene Tagebuch von 1991. Sie schreibt über ihre Lektüre Kempowskis als Siebzehnjährige, wundert sich über damalige Begeisterung für den Schriftsteller, zeigt sich nun distanzierter und differenzierter im Urteil, aber immer noch sehr wohlwollend. Zudem rekapituliert sie Kempowskis Schriftsteller-Leben und geht besonders auf die zielsichere Selbstinszenierung dieses durchaus humorvollen, aber auch eitlen und pedantischen "deutschen Dichterkauzes" als Künstler und Spießer ein. "Somnia - Tagebuch 1991" bietet für Behrendt eine gute Möglichkeit, in die Welt Kempowskis einzutauchen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2008

Dieses ist - von einem noch nicht erschienenen Gedichtband abgesehen - das letzte von Walter Kempowski noch zu Lebzeiten fertiggestellte Buch. Es setzt die Reihe seiner Tagebuchaufzeichnungen fort und umfasst jetzt die Notizen des Jahrs 1991. Eigentlich gibt es für den renitenten Kempowski viel Grund zur Freude, denn mit dem verhassten Kommunismus ist es nun endgültig aus und vorbei. Dass der Autor sanft geworden wäre, einverstanden mit den Zeit- und Weltläuften gar, davon ist allerdings, stellt der Rezensent Hannes Hintermeier fest, nichts zu spüren. Mächtig wird auf das, was das Fernsehen von der Welt in die Stube bringt, geschimpft (Biathletinnen, "das 68er Intellektuellen-Pack", der "Dünnmann" Engholm) und auch im Privaten ist Kempowskis ganz sein jederzeit zum Gekränktsein bereites Selbst. Dennoch scheint das Buch für den Rezensenten etwas Bezwingendes zu haben, prophezeit er doch, dass dieser Band, wie die anderen Tagebuchbände auch, "mit den Jahren immer wichtiger werden" wird.
Stichwörter