Der Lebensweg von Walter Kempowski (1929-2007) führt quer durch die deutsch-deutsche Geschichte. Acht Jahre saß er als vermeintlicher "Spion" in Bautzen ab, bevor er sich in der Bundesrepublik als Schriftsteller den Ruf eines skurrilen Außenseiters erwarb. Viele seine Bücher, von "Tadellöser&Wolff" bis zum "Echolot", wurden Bestseller, doch die Anerkennung, die er sich als Spätestheimkehrer erhoffte, blieb ihm versagt. Von den Kritikern wurde Kempowski jahrzehntelang missachtet und geschmäht. Gerhard Henschel geht der Frage nach, wie es dazu gekommen ist. In dem Porträt, das er von Kempowski zeichnet, finden persönliche Erinnerungen ihren Platz zwischen entlegenen Quellenzeugnissen und zahlreichen bislang unveröffentlichten Dokumenten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.05.2009
In Gerhard Henschels Buch über Walter Kempowski gewinnt der Schriftsteller als "Zukurzgekommener" und von der Kritik lange Missachte Gestalt, stellt Stephan Speicher fest. Auch wenn der Autor, der mit Kempowski befreundet war, nicht viel aus seinen persönlichen Erlebnissen mit ihm schöpft, sondern das meiste aus Berichten Dritter oder aus Kempowskis Büchern zieht, hat er den Rezensenten mit seiner "lebendigen" Erzählweise und mit interessanten Details gefesselt, wie dieser lobt. Allerdings findet er, dass man zwar viel über die Hafterfahrung in Bautzen und, nach seiner Freilassung in den Westen die Verbitterung über die westdeutsche Kritik lesen kann, über Kempowskis künstlerische Entwicklung aber wenig lerne. Der Rezensent schätzt den Autor für seinen "Gossenreport" über die Arbeitsmethoden der Bild-Zeitung, in dem Henschel seinem ganzen "polemischen Furor" Ausdruck verleiht. Für die bewundernde Zuneigung gegenüber Kempowski aber, stellt Speicher fest, findet der Autor nicht den rechten "Ton". Und so konzentriere er sich auf negative Kritiken zu Kempowskis Werk, was ihn allerdings dem Porträtierten ähnlich mache, wie der Rezensent augenzwinkernd meint.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.05.2009
Angetan zeigt sich Rezensent Hannes Hintermeier von Gerhard Henschels Porträt Walter Kempowskis, der im Mai 80 Jahre alt geworden wäre. Er würdigt Henschels Engagement für das Werk des eigensinnigen Schriftstellers, galt dieser dem Literaturbetrieb doch lange als Außenseiter. Henschels Buch setzt nach Ansicht des Rezensenten freilich Grundkenntnisse in der "Kempologie" voraus. Der Lebenslauf des Rostocker Reedersohns, der acht Jahre im DDR-Knast Bautzen inhaftiert war, sollte einem also schon einigermaßen bekannt sein. Interessant findet Hintermeier die Darstellung der "leidvollen Rezeptionsgeschichte" von Kempowskis Werk bis zu dessen spätem Erfolg. Ein wenig mehr hätte er sich über den Schulmeister und Pädagogen Kempowski gewünscht. Insgesamt schätzt Hintermeier das Buch aber als eine "Fundgrube von Textstellen, die vorzügliche Werkkenntnis verraten". Zugleich weckt es in ihm den Wunsch nach einer "großen Biografie" des 2007 gestorbenen Schriftstellers.
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