Vera Hierholzer

Nahrung nach Norm

Regulierung von Nahrungsmittelqualität in der Industrialisierung 1871-1914
Cover: Nahrung nach Norm
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2011
ISBN 9783525370179
Gebunden, 399 Seiten, 57,95 EUR

Klappentext

Gammelfleisch, verseuchte Babynahrung, BSE - dies sind nur wenige Beispiele für immer wiederkehrende Schreckensmeldungen über die gegenwärtige Lebensmittelproduktion. Die Verbraucher sind heute kaum noch in der Lage, die Qualität ihrer Nahrungsmittel zu beurteilen, sie müssen deshalb tagtäglich Vertrauen aufbringen. Diese Konstellation ist jedoch kein neuartiges Kennzeichen der jüngsten Zeit, sondern bildete sich bereits in der Industrialisierung heraus. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand eine neue Sensibilität gegenüber Nahrungsmittelverfälschungen, die sich in einer breiten öffentlichen Debatte niederschlug. Ursächlich war der gesellschaftliche und wirtschaftliche Wandel: Die wachsende Distanz zwischen Verbrauchern und Produzenten, die zunehmend industrialisierte Produktion sowie die unzähligen neuartigen Produkte und Zusatzstoffe erzeugten ein Gefühl der Unsicherheit. Gleichzeitig veränderte der Aufstieg der Ernährungsforschung den Blick auf die Nahrungsmittel.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2011

Angesichts der Ehec-Fälle kommt Vera Hierholzers Arbeit über die Regulierung von Nahrungsmittelqualität zwischen 1871 und 1914 aktuelle Bedeutung zu, findet Christina Hucklenbroich. Die Autorin, deren Studie mittlerweile mit einem Preis ausgezeichnet wurde, wie die Rezensentin mitteilt, interessiert sich vor allem für die Erschütterung des Vertrauens, die die Menschen gegenüber industriell hergestellten Nahrungsmitteln bereits von Beginn der Industrialisierung erlebten, und dafür, welche Vermarktungsstrategien dem entgegengesetzt wurden, lässt Hucklenbroich wissen. Aus dem Buch kann man nicht nur erfahren, dass bereits Ende des 19. Jahrhunderts Tendenzen zu mehr "Eigenverantwortung" und Vereine zur Aufdeckung von Lebensmittelskandalen entstanden. Die Autorin kann vor allem ein plastisches "Bild der Konsumgesellschaft" der Zeit zeichnen und zeigen, wie Ängste angesichts zunehmend anonymisierter Lebensmittelproduktion entstehen, so die Rezensentin, die die Arbeit als "konstruktiven Kommentar" zur aktuellen Vertrauenskrise wertet.

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