Gammelfleisch, verseuchte Babynahrung, BSE - dies sind nur wenige Beispiele für immer wiederkehrende Schreckensmeldungen über die gegenwärtige Lebensmittelproduktion. Die Verbraucher sind heute kaum noch in der Lage, die Qualität ihrer Nahrungsmittel zu beurteilen, sie müssen deshalb tagtäglich Vertrauen aufbringen. Diese Konstellation ist jedoch kein neuartiges Kennzeichen der jüngsten Zeit, sondern bildete sich bereits in der Industrialisierung heraus. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand eine neue Sensibilität gegenüber Nahrungsmittelverfälschungen, die sich in einer breiten öffentlichen Debatte niederschlug. Ursächlich war der gesellschaftliche und wirtschaftliche Wandel: Die wachsende Distanz zwischen Verbrauchern und Produzenten, die zunehmend industrialisierte Produktion sowie die unzähligen neuartigen Produkte und Zusatzstoffe erzeugten ein Gefühl der Unsicherheit. Gleichzeitig veränderte der Aufstieg der Ernährungsforschung den Blick auf die Nahrungsmittel.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2011
Angesichts der Ehec-Fälle kommt Vera Hierholzers Arbeit über die Regulierung von Nahrungsmittelqualität zwischen 1871 und 1914 aktuelle Bedeutung zu, findet Christina Hucklenbroich. Die Autorin, deren Studie mittlerweile mit einem Preis ausgezeichnet wurde, wie die Rezensentin mitteilt, interessiert sich vor allem für die Erschütterung des Vertrauens, die die Menschen gegenüber industriell hergestellten Nahrungsmitteln bereits von Beginn der Industrialisierung erlebten, und dafür, welche Vermarktungsstrategien dem entgegengesetzt wurden, lässt Hucklenbroich wissen. Aus dem Buch kann man nicht nur erfahren, dass bereits Ende des 19. Jahrhunderts Tendenzen zu mehr "Eigenverantwortung" und Vereine zur Aufdeckung von Lebensmittelskandalen entstanden. Die Autorin kann vor allem ein plastisches "Bild der Konsumgesellschaft" der Zeit zeichnen und zeigen, wie Ängste angesichts zunehmend anonymisierter Lebensmittelproduktion entstehen, so die Rezensentin, die die Arbeit als "konstruktiven Kommentar" zur aktuellen Vertrauenskrise wertet.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Botho Strauß: Bleiben und Blicken In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…