Uwe Walter

Memoria und res publica

Zur Geschichtskultur im republikanischen Rom
Cover: Memoria und res publica
Antike Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783938032008
Gebunden, 480 Seiten, 49,90 EUR

Klappentext

Die Studie analysiert für die Zeit der Republik sowohl die Geschichtskultur, also die Medien, Formen und Verfahren der Bewahrung und Ausgestaltung von historischem "Wissen", als auch ausgewählte Inhalte des geschichtlichen Gedächtnisses. Skizziert werden außerdem die verschiedenen Grundmuster des Vergangenheitsbezugs. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Entstehung, Entwicklung und Ausdifferenzierung der genuin römisch-republikanischen Formen der literarischen Rekonstruktion der Geschichte. Die immer wieder aktualisierbaren "Geschichten" (exempla maiorum) werden als integrale Bestandteile einer besonderen Erinnerungskultur aufgefasst, die gleichzeitig die gesamte Geschichte der "res publica" als Kontinuum zu gestalten vermochte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.03.2005

Das Problem, dass die römische Geschichtsschreibung erst vergleichsweise spät einsetzt und daher alle Informationen über die Königszeit und die frühe Republik sehr unzuverlässig sind, treibt die Althistoriker seit dem 19. Jahrhundert um. Lange galten wenigstens die Priesterannalen als verlässliche Quellen, neuere Forschungen begründen nun auch daran erhebliche Zweifel. Uwe Walter aber lässt sich auf diese "traditionelle quellenkritische" Sichtweise nicht mehr ein, schreibt Rezensent Walter Nippel. Ihn interessiere sehr viel mehr, in welcher Weise schon in Rom die Ehrwürdigkeit der Annalen zur Konstruktion sehr spezifischer Geschichtsbilder und -interpretationen genutzt wurde. Die in dieser Studie gegebene Antwort auf die von Walter selbst formulierte Leitfrage, "wie Geschichte in den Kopf der Römer zur Zeit der Republik" gekommen sei, findet der Rezensent sehr überzeugend. Allerdings hätte er sich eine etwas eingehendere Darstellung der aus der Geschichtskultur der Römer folgenden "Geschichtspolitik" gewünscht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2004

Jürgen Busche bringt die Frage, die den Althistoriker Uwe Walter in seiner Habilitationsschrift umtreibt, für die fachfremden Leser auf den Punkt: Was haben Menschen in der Antike über Geschichte gedacht? Wie wurde Geschichtsüberlieferung gehandhabt, auf was wurde Wert gelegt? Die Römer, so hat Busche bei Walter erfahren, hatten ein ausgeprägtes Traditionsbewusstsein, während "die Griechen mit ihrer Kritisierlust" ganz andere Ansprüche stellten. Ihre unterschiedliche Haltung zur Geschichte schlug sich in der Politik wie in der Literatur und Kunst nieder, stellt Busche etwas allgemein fest. Um den modernen Wissenschaftsjargon komme aber auch ein Althistoriker wie Walter nicht herum, der Begrifflichkeiten wie "kulturelles Gedächtnis", "Geschichtskultur" oder "Gedächtnisorte" hinreichend zu erläutern versuche. Für Busche betreibt Walter "Geschichtsforschung im Rücken der Geschichte", analysiert werde Geschichte als "Medium der Verständigung" zwischen Gruppen und Generationen gar. Damit betreibe der Historiker eine Art Medienkritik, schlussfolgert Busche, die ihre Nähe zur Ideologiekritik nie habe leugnen können. Weshalb das Gebot des nüchternen wissenschaftlichen Arbeitens, wie es Walter aufstelle und befolge, um so unentbehrlicher sei, heißt das etwas altkluge Fazit des Rezensenten.
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