Geschichtsvereine sind Teil eines sich in allen europäischen Ländern entwickelnden Gesellschaftswesens. Die vorliegende komparatistische Arbeit untersucht die Mitgliedschaft, Tätigkeitsfelder, Geselligkeit und Geschichtsbilder derartiger Vereine in Italien und Deutschland im langen 19. Jahrhundert. Diese Vereine waren weitaus weniger bürgerlich als erwartet, vielerorts dominierte der Adel sowohl in Italien als auch in Deutschland. Verpflichtet waren die Gesellschaften der Pflege einer überaus stark regional geprägten Geschichtskultur, wohingegen die nationale Geschichte kaum Beachtung fand.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2004
Eine "erfrischende Studie" erblickt Rezensent Gerrit Walther in Gabriele Clemens? Habilitationsschrift über deutsche und italienische Geschichtsvereine im 19. Jahrhundert. Wie Walther berichtet, recherchierte Clemens in neun Archiven über sechs deutsche und sechs italienische Geschichtsvereine zwischen den Jahren 1820 und 1918 und prüfte dabei vor allem deren Mitgliederstruktur, Aktivitäten, Geschichtsbilder und politische Loyalitäten. In ihrer "klar und klug argumentierenden" Arbeit widerlege sie den Mythos von den Geschichtsvereinen als Brutstätten eines "bürgerlichen Nationalismus". Weder das deutsche noch das italienische Bürgertum hätten sich sonderlich für den Nationalstaat interessiert. Geschichtsvereine seien auch keine nationalen Ideologiefabriken gewesen, sondern Bastionen einer regionalen Traditionspflege. Außerdem hätten nicht progressive Bürger den Ton bestimmt, sondern konservative Honoratioren und Notabeln. Walther hält fest, dass es den vom Adel dominierten Mitgliedern vor allem darum ging, ihre eigene Vergangenheit glänzend aufzuarbeiten, während man nationalen Bestrebungen skeptisch bis ablehnend gegenüberstand.
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