Weltweit ist die Zahl der historischen Museen in den letzten Jahrzehnten dramatisch angestiegen. Das heißt: Im Rahmen der weltweit ausgerichteten Erinnerungskultur, bei der es immer auch um Werte zur Beurteilung der Gegenwart geht, gewinnt die Inszenierung von Geschichte an Bedeutung. Welche Zwecke verfolgen solche Inszenierungen? Was ermöglichen, was verdecken sie, welche versteckten Ziele verfolgen sie? Diese Veränderungen sind Ausdruck eines international wahrnehmbaren Wandels, den Rosmarie Beier-de Haan als Entfaltung einer für die reflexive Moderne kennzeichnenden Geschichtskultur bezeichnet. Im Gefolge der Globalisierung und des an Gewicht verlierenden Nationalstaats können die historischen Museen ihre traditionellen Ziele nicht mehr erfüllen. Durch die damit verbundene Individualisierung lösen sich traditionelle Orientierungen auf, mit Rückwirkungen auf die individuelle wie kollektive Erinnerung von Geschichte und deren Funktion für die Gegenwart.
Als misslungen wertet Sabine Vogel dieses Buch von Rosmarie Beier-de Haans. Zwar scheint ihr die Frage nach der Rolle von Ausstellungen und Museen in den gesellschaftlichen Diskursen der Gegenwart eminent wichtig. Aber mit dem Ansatz, diese Frage als Frage nach dem Eintritt historischer Museen in eine "Zweite Moderne" zu behandeln, kann sie wenig anfangen. Auch findet sie es ziemlich schwierig, Beiers Vergleich nationaler und internationaler Ausstellungen und Museen zu folgen, wenn man sie nicht aus eigener Anschauung kennt. Schließlich biete der Band keine Abbildungen und die Autorin verzichte auch auf eine Beschreibung der herangezogenen Ausstellungen. Schlechte Noten vergibt Vogel außerdem für die sperrige Methodik der Arbeit, den gespreizten Stil, das maßlose Namedropping, die zahlreichen unübersetzten fremdsprachigen Zitate sowie die schwerverständlichen Paraphrasen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.04.2006
Das Thema dieser Studie findet die Rezensentin Andrea Gnam hoch interessant. Es geht um neue Formen der "musealen Inszenierung von Geschichte". Auch die von Rosemarie Beier-deHaan ausgemachten Tendenzen der "Globalisierung, Individualisierung, Inszenierung" hält Gnam für die richtige Diagnose. Dennoch hat sie ihre Schwierigkeiten mit dem Buch. Allzu schematisch nämlich gehe die Autorin vor, präsentiere ihre Thesen nach Art von "Schulungsvorträgen". Ein wichtiger Aspekt bleibt zudem ganz ausgeblendet, nämlich die "ästhetische Reflexion der Inszenierung". Gerade für die Diskussion des prekären Verhältnisses der neuen Formen der Geschichtsdarstellung zur Eventkultur wäre es, wie die Rezensentin findet, wichtig gewesen, darauf einzugehen.
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