Torsten Körner

In der Männerrepublik

Wie Frauen die Politik eroberten
Cover: In der Männerrepublik
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2020
ISBN 9783462053333
Gebunden, 368 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

"Politik ist eine viel zu ernste Sache, als dass man sie allein den Männern überlassen sollte." Bundesgesundheitsministerin Käte Strobel, 1959. Die Bundesrepublik war lange eine Männerrepublik. Männer schrieben Geschichte. Männer besetzten Ämter. Männer gaben den Ton an. Und Frauen? Dieses Buch erzählt die politische Geschichte der Bundesrepublik Deutschland aus weiblichen Perspektiven. Lange Jahre waren Politikerinnen in der Bundesrepublik kaum sichtbar. Die erste Ministerin wurde 1961 berufen. Erst ein Sitzstreik von CDU-Frauen vor dem Kabinettssaal zwang Kanzler Konrad Adenauer dazu, Elisabeth Schwarzhaupt in sein viertes Kabinett aufzunehmen. Was ihn nicht daran hinderte, die Regierungsmitglieder weiterhin mit "Guten Morgen, meine Herren" zu begrüßen …
Im Zentrum dieses Buchs stehen charismatische Frauen, deren politisches Wirken und private Schicksale Auskunft über bis heute unerzählte deutsche Geschichte geben. Protagonistinnen sind Politikerinnen aller Parteien, die sich während der Bonner Republik in der Männerbastion Bundestag durchsetzten. Ihre Lebenswege sind geprägt von politischen und privaten Dramen, denn für ihren Einsatz bezahlten sie mitunter einen hohen persönlichen Preis.
Viele sprechen in diesem Buch das erste Mal darüber, wie die Politik ihr Leben veränderte, wie ihr permanenter Einsatz zu schmerzhaften Trennungen und Entfremdungen führte, wie Politik sie süchtig machte oder mit welchen Mitteln die Männer aller Parteien sie bekämpften. Entstanden ist eine spannende Chronik des Kampfs um politische Gleichberechtigung, der bis heute anhält.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.03.2020

Lesenswert findet Rezensentin Dorion Weickmann diesen "fabelhaften" Band mit Porträts von Politikerinnen, die heute zumeist vergessen sind. Nicht, weil sie nichts oder nichts Kluges zu sagen gehabt hätten, sondern weil ihre Beiträge in den 50er, 60er, 70er Jahren und darüber hinaus oft kleingemacht wurden, wenn nicht sogar lächerlich, lernt Weickmann. Die Rezensentin liest ungläubig, welche Reaktionen eine Politikerin auslösen konnte, die im Hosenanzug erschien. Und noch 1984 konnten es sich Mitglieder der Regierung erlauben, einer Grünen-Politiker zuzurufen: ""Die ist auch besser im Bett als hier im Parlament." Was für eine Bande von Chauvis, denkt sich Weickmann, offensichtlich froh, dass die Zeiten sich geändert haben. Der Band endet mit Angela Merkel, und das bringt die Rezensentin darauf, dass die Politikerinnen in der DDR doch fehlen. Ob sie ähnliches auszustehen hatten wie ihre westdeutschen Kolleginnen? Darüber könnte vielleicht ein zweiter Band informieren, regt der Rezensent an.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.02.2020

In diesem Band wird die Geschichte der Frauen im Deutschen Bundestag erzählt, erklärt Rezensentin Simone Schmollack. Fast vergessene Akteurinnen wie die CSU-Abgeordnete Ursula Männle, die erste Ministerin Elisabeth Schwarzhaupt oder die sechsköpfige weibliche Fraktionsspitze der Grünen von 1984 kommen hier zu ihrem Recht: Ihre Kämpfe in der männerdominierten Politik werden informativ und unterhaltsam geschildert, versichert die Kritikerin, die dieses Buch für brandaktuell hält - schließlich ist der Frauenanteil im Bundestag mit 31 Prozent gerade so gering wie lange nicht mehr, bedauert sie.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 15.02.2020

Andrea Seibel dankt Torsten Körner für den Versuch einer Wiedergutmachung für erlebte Ungerechtigkeit. Für Seibel legt der Autor ein Buch mit Herz und Empathie vor, ein Buch für die Frauen in der deutschen Politik und ihre Leistungen. Tolerant und kopfschüttelnd der Gestus, mit dem Körner sich ins Parlament der BRD versetzt, in den Männerzirkus, zu "sexistischen Trampeln" und "machtgeilen Trotteln", um Ausnahmeerscheinungen wie Elisabeth Noelle-Neumann oder Gräfin Dönhoff zu würdigen, den Aufbruch der Grünen mit Antje Vollmer oder Petra Kelly, schließlich Rita Süssmuth, Hannelore Kohl und Angela Merkel. Besonders Hannelore Kohls Rehabilitierung rührt Seibel sehr, auch wenn ihr Körners "schwärmerische Auslassungen" mitunter fast kitschig erscheinen.