Der nächste Redner ist eine Dame
Die Frauen im ersten Deutschen Bundestag

Ch. Links Verlag, Berlin 2024
ISBN
9783962892104
Gebunden, 256 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Herausgegeben vom Deutschen Bundestag. Mit einem Vorwort von Bundestagspräsidentin Bärbel Bas, 38 Kurzporträts und Texten von Helene Bukowski, Julia Franck, Shelly Kupferberg, Terézia Mora und Juli Zeh. Als am 7. September 1949 die 410 frisch gewählten Abgeordneten des ersten Deutschen Bundestages zusammenkamen, waren darunter 28 Frauen. Während der Legislaturperiode wuchs deren Zahl auf 38, doch hatten sie es schwer, politisch in Erscheinung zu treten. Dennoch behaupteten sie sich in ihren Fraktionen und in den Ausschüssen. Die Zentrumsabgeordnete Helene Wessel wurde zur ersten weiblichen Partei- und Fraktionsvorsitzenden gewählt, die SPD-Abgeordnete Jeanette Wolff stieß als bekennende Jüdin und Holocaust-Überlebende mit ihren Forderungen nach Entschädigung der jüdischen Opfer im Parlament auf viel Unverständnis. Und die Theologin und CDU-Abgeordnete Anne Marie Heiler war eine typische Hinterbänklerin und hielt am 12. Mai 1950 ihre erste Rede. "Der nächste Redner ist eine Dame", kündigte Bundestagspräsident Erich Köhler sie an.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.07.2024
Rezensentin Kim Maurus findet den vom Deutschen Bundestag selbst herausgegebenen Band über die Frauen im Parlament höchst wichtig. Wer weiß schon, dass der Deutsche Bundestag 1949 unter seinen 410 Abgeordneten nur 28 Frauen zählte und wer genau diese waren. Der Band macht diese Frauen "sichtbar", jedenfalls teilweise, meint Maurus. Wie die fünf Schriftstellerinnen im Band von Terezia Mora bis Helene Bukowski sich den Einzelbiografien widmen, mal in direkter Ansprache, mal essayistisch, findet Maurus mitunter gewöhnungsbedürftig, aber im Ganzen zielführend. Weniger gut gefallen ihr die angehängten, "nüchternen" Kurzbiografien. Damit, so Maurus, leistet der Band den Parlamentarierinnen einen Bärendienst, denn sie bleiben weitgehend "blass".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.05.2024
28 Frauen saßen im ersten Deutschen Bundestag, lernt Rezensentin Gianna Niewel in dieser Publikation, an der nicht nur Bundestagspräsidentin Bärbel Bas, sondern auch Schriftstellerin Terézia Mora mitgewirkt hat. Diese Frauen sind weitgehend in Vergessenheit geraten, umso wichtiger ist es, dass wir die Erinnerung an sie und ihre wichtigen Verdienste beim Wiederaufbau des Landes hochhalten und mit diesem Buch wieder auffrischen, findet Niewel. Da wären zum Beispiel Jeannette Wolff, SPD-Abgeordnete und KZ-Überlebende, die sich vehement für die Entschädigung der NS-Opfer eingesetzt hat, oder Maria Probst, die sich um die finanzielle Versorgung von Kriegswitwen verdient gemacht hat, berichtet die Kritikerin. Ihr Resümee: Bis zur wirklichen Gleichberechtigung ist es noch ein weiter Weg, aber es ist gut, dass die Geschichte der Vorreiterinnen nun aufgeschrieben wurde.