Aus dem Französischen von Caroline Vollmann und mit einem Nachwort von Johnnes Willms. Seelenverwandtschaft oder Prestige, Gefühl oder Marktwert - was ist die gültige Währung im großen Tauschgeschäft der Partnerwahl? Inspiriert vom Werben um die Frau seines Herzens, der das Buch gewidmet ist, gelang dem französischen Nationaldichter seine charmanteste Amoureske. Eine Wirtschaftskrise reißt Charles Mignon, einen der reichsten Kaufleute Le Havres, über Nacht in den finanziellen Ruin und zwingt ihn, das Land zu verlassen. Allen gesellschaftlichen Umgangs beraubt, flüchtet sich seine Tochter Modeste in die Welt der Bücher. Besonders schwärmt sie für Canalis, den gefeierten Pariser Dichterfürsten, dem sie heimlich einen enthusiastischen Brief schreibt. Der landet, wie alle Verehrerpost, auf dem Schreibtisch von dessen Sekretär. So findet sich Modeste alsbald in einen innigen Briefwechsel verstrickt- doch mit einem anderen Mann, als sie glaubt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.02.2010
Eine glatte Empfehlung gibt Niklas Bender da ab. Allerdings meint Bender vor allem den Text, natürlich, Balzacs viel zu selten gelesene geniale Sittenstudie und nicht unbedingt diese Neuübersetzung ("fehlerhaft", "holprig") und diesen Apparat ("mal skrupulös, mal ungenau"). Die Geschichte einer "mehrfachen Aufschneiderei", die als Briefroman beginnt, kitzelt Benders Nerven dank des großartigen Einfühlungsvermögens ihres Autors. Nicht nur den karrieristischen romantischen Dichter zeichnet Balzac genau, Bender staunt auch ein ums andere mal über die schöne Modeste, die Hauptfigur, die vor Vitalität und Intelligenz sprühe, wie der Rezensent schwärmt. Nicht zuletzt die vielen literarischen Bezüge (Marivaux, Moliere, Goethe etc.) machen die Lektüre für Bender zum Vergnügen.
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