Klappentext

Aus dem Englischen von Brigitte Hilzensauer. Am 12. November 1938 - auf den Straßen lagen noch die Scherben der Pogromnacht - verließen Gretl Gallia, ihre Tochter Annelore und ihre Schwester Käthe ihre Heimatstadt Wien mit dem Ziel Australien - und retteten dabei die bedeutende Kunstsammlung ihrer Vorfahren, die zu den wichtigsten Mäzenen des Wiener Fin de siècle gehörten, mit ins Exil. Der Unternehmer Moriz Gallia und seine Frau Hermine waren bekannt mit Gustav und Alma Mahler, Carl Moll und Gustav Klimt. 1913 ließen sie sich ein Haus in der Wohllebengasse bauen und ihre weitläufige Wohnung von Josef Hoffmann einrichten. Tim Bonyhady, ein Urenkel, hat ihre packende Geschichte aufgezeichnet und das Soziogramm einer der jüdischen Familien erstellt, die einst das Wiener Leben prägten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2013

Diese Lektüre lohnt sich laut Martin Lhotzky schon allein aufgrund des Poträts eines gierigen Kunstsammlers, der es auf Gemälde der Familie des Autors abgesehen hatte. Die Familienerinnerungen Tim Bonyhadys, in Australien aufgewachsener Spross einer Wiener jüdischen Dynastie locken Lhotzky darüber hinaus mit akribischen, auf genauer Recherche basierenden Szenen aus der Wiener Kunstszene um 1900. Dass der Autor ihm selbst unbekanntes Terrain betritt, staunend, berührt, gereicht dem Buch laut Rezensent nicht immer zum Guten. Längen, Schwelgen im Teegeschirr und von Tanzabenden machen die Lektüre für Lhotzky zu einem verglichen mit Edmund de Waals Roman "Der Hase mit den Bernsteinaugen" eher anstrengenden Erlebnis. Begeistert hingegen lauscht der Rezensent Bonyhadys Schilderungen der Flucht und des Einlebens auf einem fernen Kontinent.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.11.2013

In Tim Bonyhadys Buch "Wohllebengasse" hat Rezensentin Cathrin Kahlweit die ebenso bewegende wie beeindruckende Geschichte der Wiener Familie des australischen Autors und Umweltanwalts gelesen. Sie liest hier wie Bonyhadys Urgroßeltern und Großeltern in Wien einst mit Glühstrümpfen ein Vermögen verdienten und als einflussreiche Kunstsammler und Mäzene lebten. Und so wandert die Kritikerin durch die opulent eingerichtete Wohnung in der Wohllebengasse, bestaunt Vitrinen voller Schmuck und Kleidung, Möbel aus den Wiener Werkstätten, die exklusiv angefertigt wurden und liest, wie Hermine Gallia, Bonyhadys Urgroßmutter, von Gustav Klimt porträtiert wurde. Zugleich erlebt Kahlweit in diesem eindrucksvollen Buch, wie die Familie im Jahre 1938 nach dem Anschluss Österreichs nach Australien emigrierte - und den Großteil ihrer Besitztümer retten konnte. Die Rezensentin lobt dieses aus Tagebüchern, Briefen, Zeitzeugen-Erinnerungen und Dokumenten aus Wiener Archiven zusammengestellte Werk als Soziogramm einer untergegangenen Welt, das detailreiche Einblicke in Lebenswelten und Emotionen gewährt und von populären Tänzen ebenso berichtet, wie vom zeitgenössischen Umgang mit Liebe, Ehe, Tod und Sex. Zugleich muss die Kritikerin aber auch feststellen, dass Bonyhadys ausladender Sachverstand und seine große Ehrfurcht die Geschichte bisweilen ein wenig in die Länge ziehen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.11.2013

Jürgen Berger taucht mit Tim Bonyhadys Vorfahren ein in die Wiener Kunstwelt des 20. Jahrhunderts. Der Roman, in dem der in Kanada lebende Autor den Spuren seiner 1939 aus Wien nach Sidney emigrierten Großmutter folgt, weist für ihn sowohl Merkmale einer Erzählung als auch einer Kulturreportage auf und zeichnet detailliert das kulturelle Leben der Donaumetropole nach. An manchen Stellen gehen ihm die Schilderungen zu weit, etwa wenn der Autor das Interieur großbürgerlicher Häuser beschreibt, als wolle er "eine Fin-de-siècle-Ausstellung kuratieren". Alles in allem enthält sich der Rezensent eines Urteils über Tim Bonyhadys Familiengeschichte jedoch weitgehend.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.11.2013

Stefan Templ findet die Lektüre von Tim Bonyhady Erinnerungsbuch mehrfach lohnend. Als sorgfältig recherchierte Familiengeschichte über mehrere Generationen, in der der Autor vor allem die Frauen porträtiert, seine Großmutter etwa. Und als Erzählung exemplarischer Geschichten von Verteibung und Flucht. Wenn der Autor stimmungsvoll die Welt des mährisch-böhmischen Schtetls in der Wiener Wohllebengasse entfaltet und seine Erinnerung anhand von Mobiliar in Gang bringt, ist der Rezensent hingerissen. Die ebenfalls thematisierten jüdisch-christlichen Konflikte in der Familie eröffnen ihm darüber hinaus eine Tiefendimension dieser Erzählung.