Thomas Urban

Katyn 1940

Geschichte eines Verbrechens
Cover: Katyn 1940
C. H. Beck Verlag, München 2015
ISBN 9783406673665
Paperback, 249 Seiten, 14,95 EUR

Klappentext

Mit 11 Abbildungen und einer Karte. Katyn - der Name ist zur Chiffre für eines der abscheulichsten Verbrechen des 20. Jahrhunderts geworden. Mehr als 20 000 polnische Offiziere, Beamte und Intellektuelle wurden im April 1940 von der sowjetischen Geheimpolizei NKWD kaltblütig erschossen. Stalin bezichtigte beharrlich die Deutschen dieser Verbrechen, die zur gleichen Zeit den Massenmord an den polnischen Juden betrieben. Die Nationalsozialisten wiederum sahen in den Morden eine einmalige Gelegenheit, die Alliierten zu entzweien. Während die Angehörigen der Opfer verzweifelt nach ihren Männern, Vätern, Söhnen suchten, lieferten sich die beiden Terrorregime eine Propagandaschlacht, die an Zynismus kaum zu überbieten ist. Erst fünfzig Jahre später räumte der Kreml die Täterschaft ein. Thomas Urban schildert die Ereignisse und bringt Licht in das Dickicht aus Lügen, Fälschungen und Terror, das die Morde bis heute umgibt. Erstmals beschreibt er die Rolle deutscher Widerstandskämpfer dabei.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.06.2015

"Was für ein dunkles Wort: Katyn", stellt Cord Aschenbrenner fest und freut sich, dass Thomas Urban mit dieser in den Augen des Rezensenten herausragenden Geschichtslektion Licht in die Sache bringt. Wie der Autor die Ereignisse um den monströsen Massenmord an polnischen Offizieren und Intellektuellen unter Stalin nachzeichnet, hat für Aschenbrenner Krimiqualitäten. Distanziert und doch spannend, gut recherchiert und mit umfassender historischer Perspektive zeigt der Autor laut Rezensent die Wurzeln des Falles im deutsch-russischen Nichtangriffsvertrag von '39 auf und verfolgt die Nachwirkungen von der Propagandaschlacht der Nazis bis zur Geschichtspolitik des Kreml. Von souveräner Kenntnis geprägt scheint dem Rezensenten das Buch, das er als großen Wurf zur jüngeren und jüngsten Geschichte Osteuropas anpreist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2015

Rainer F. Schmidt rekapituliert Katyn als Chiffre für Völkermord, Verrat und Vertuschung. 75 Jahre nach den schrecklichen Ereignissen bietet ihm das Buch von Thomas Urban die Chance, sachkundig, einfühlsam im Ton und quellenstark in die Thematik einzutauchen. Urbans Band nennt er eine zeitgeschichtliche Leistung ersten Ranges, die sämtliche Aspekte des Komplexes von der Interessenzonenteilung 1939 bis hin zu Gorbatschows und Putins Umgang mit dem Gedenken und den Fakten in Augenschein nimmt.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 09.05.2015

Marko Martin ist entsetzt über das, was er bei Thomas Urban liest. Stalins Massaker an den Polen von Katyn kann ihm der Journalist gegen alle Verdunkelungsversuche der Geschichte nahebringen. Und er macht das mit einer Fülle an Dokumenten und Zeitzeugenberichten, wie Martin erklärt, erhellend und deprimierend zugleich. Denn Martin erkennt, wie die Verantwortlichen, die "roten und braunen Massenmörder" sich der Aufarbeitung des Verbrechens immer wieder entzogen. Nicht zuletzt seine Präzision und sein unaufgeregter Ton machen das Buch laut Rezensent zu einem Standardwerk.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.05.2015

Ein lehrreiches, aufklärendes Buch kann Rezensent Uwe Rada mit Thomas Urbans Untersuchung zur Erschießung von 25.000 polnischen Offizieren durch die sowjetische Geheimpolizei NKWD in Katyn empfehlen. Der Kritiker liest hier wie jahrzehntelang ein Schuldbekenntnis der Sowjetunion und die juristische Aufarbeitung verweigert wurden. Statt dessen versuchte die Sowjetunion, das Massaker Nazi-Deutschland in die Schuhe zu schieben. Diese verdienstvolle und äußerst lesenswerte Studie bringt nicht nur Hintergründe, Folgen und Einzelschicksale ans Licht, sondern Urban gelingt es darüber hinaus, eine Verbindung in die Gegenwart, etwa zum Krieg gegen die Ukraine zu ziehen, lobt der Kritiker.