Hanjo Kesting

Bis der reitende Bote des Königs erscheint

Über Oper und Literatur

Klappentext

Nur selten in der Operngeschichte gab es glückliche Partnerschaften zwischen den Komponisten und ihren Textdichtern. So tauchen auf Verdis 27 Opernpartituren die Namen von vierzehn Librettisten auf. Der Wettstreit um den Vorrang von Ton oder Wort durchzieht die gesamte Geschichte der Oper. Im 18. Jahrhundert übte Pietro Metastasio seine uneingeschränkte Herrschaft aus - Kesting nennt ihn "den einflussreichsten Operndichter der Geschichte". Seine Textbücher wurden an die tausendmal vertont, auch noch von Mozart, der eigentlich die Auffassung vertrat, in der Oper habe die Poesie "der Musick gehorsame Tochter" zu sein, und in Lorenzo Da Ponte seinen einzigartigen Librettisten fand. Das 19. Jahrhundert brachte Textdichter wie Eugène Scribe, Felice Romani und Arrigo Boito hervor, nicht zuletzt den Sonderfall Richard Wagner, der sein eigener Textdichter war. Im 20. Jahrhundert stellten sich Autoren von Rang wie Hugo von Hofmannsthal, Stefan Zweig, Jean Cocteau und W. H. Auden in den Dienst der Komponisten. Bertolt Brecht, auch er ein fleißiger Textlieferant für das Musiktheater, ließ in der "Dreigroschenoper" zum Schluss den reitenden Boten des Königs erscheinen: "Damit ihr wenigstens in der Oper seht, wie einmal Gnade vor Recht ergeht."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2017

Rezensentin Julia Toelle stellt zufrieden fest, dass es in diesem Buch des Journalisten und Literaturwissenschaftlers Hanjo Kesting weniger um das Verhältnis von Literatur und Musik in der Oper als vielmehr um die Beziehungen zwischen Komponisten und Librettisten untereinander geht. Denn damit schließt Kesting nicht nur eine Forschungslücke, weiß die Kritikerin, sondern er hat auch die wesentlich spannenderen Anekdoten zu bieten, fährt Toelle fort, die hier etwa von Machtgefälle und Umgangsformen zwischen Da Ponte und Mozart, Hofmannsthal und Strauss oder Boito und Verdi liest. Dass Kesting mit eigenen Vorlieben und Abneigungen, etwa gegenüber den Kastraten des 18. Jahrhunderts, nicht hinterm Berg hält, geht für die Rezensentin in Ordnung: Viel zu "anregend" findet Toelle diese Einsichten in die Opernproduktion, die für sie auch ein willkommener Anlass sind, sich wieder einmal mit der Oper auseinanderzusetzen.
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