Aus dem Italienischen von Stefanie Römer und Karl Pichler. Als Kind dachte Nicola Gardini, seine Mutter spräche perfekt Latein, weil er sie Ave Maria und Pater Noster beten hörte. Erst viel später hat sie ihm gebeichtet, dass sie sonst kein Wort Latein kann. Gardini beschreibt seinen Zugang zur lateinischen Literatur als persönliches Erweckungserlebnis, das ihm schon früh eine neue Welt erschlossen hat. Sein unterhaltsames Buch liefert kein verzweifeltes Plädoyer für das Schulfach Latein und die Bedeutung seiner Grammatik. Nicola Gardini zeigt vielmehr, dass wir nie aufgehört haben, Latein zu sprechen. dass wir unsere Gegenwart kulturell und literarisch nur verstehen können, wenn wir wissen, wo wir herkommen: Er geht Metaphern auf den Grund, er erklärt anhand eines Textes von Cato über das Pökeln das Futur oder analysiert ein Gedicht von Catull über den Tod eines Spatzen.
Vielleicht beflügelt von der Begeisterung Emmanuel Macrons für Literatur und Philosophie haben zwei italienische AutorInnen den Versuch gewagt, mit Büchern für ihre Fächer zu werben: Andrea Marcolongo fürs Altgriechische und Nicola Gardini fürs Lateinische. Beide Bücher sind mit Liebe fürs Fach geschrieben und einer Begeisterung, die ansteckt, versichert Rezensentin Melanie Möller, im Hauptberuf Professorin für Klassische Philologie an der FU Berlin. Gardini vermittelt ihr die "köstliche Perfektion" des Lateinischen am Beispiel von Klassikern wie Vergil oder Ovid. Und ebenso wie Marcolongo schlägt er dabei einen ganz persönlichen Ton an, der vom Glücksgefühl bei der Lektüre getragen ist. Ansteckend, findet die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.02.2018
Als Liebeserklärung an das Lateinische hat der selbst an der TU Chemnitz Latein lehrende Literaturkritiker Burkhard Müller Nicola Gardinis Studie gern gelesen. Die Schönheit der Sprache kann ihm der italienisch-britische Philologe mit zahlreichen Zitaten in Originalsprache, aber auch in rührenden Anekdoten über die Begegnung und die lebenslange Auseinandersetzung mit dem Lateinischen gut vermitteln. Dass Gardini sein Buch jedoch auch als "Plädoyer" für die Sprache anlegt, kann der Kritiker nicht nachvollziehen: Von Nutzen, Krise, Eigenheiten und Zukunft des Lateinischen erfährt er hier nicht viel - und so dürfte die Leserschaft eine überschaubare sein, glaubt er.
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