Herausgegeben und mit einem Nachwort von Sabine Schulz. Aus dem Französischen von Isolde Linhard, Franziska Humphreys-Schottmann und Sabine Schulz. Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) und David Hume (1711-1776) begegneten einander im Dezember 1765 in Paris. Rousseau, einer der berühmtesten Literaten seiner Zeit, war aus seinem Schweizer Exil ausgewiesen worden und suchte einen neuen Zufluchtsort. Auf Vermittlung zweier Damen der Pariser Gesellschaft begleitete Hume den als exzentrisch geltenden Philosophen nach England, doch schon wenige Monate darauf kam es zum öffentlich ausgetragenen Zerwürfnis. Der Bruch zwischen den beiden ungleichen Philosophen war für die Gelehrtenrepublik ein gefundenes Fressen. Einmal publik gemacht, erregte der Streit die Gemüter von Aristokraten, Aufklärern und gewöhnlichen Lesern und Leserinnen gleichermaßen. Die vorliegende Ausgabe präsentiert entlang des Briefwechsels zwischen Rousseau und Hume und anhand zahlreicher Briefe Dritter, privater Notizen, Zeitungsartikel und historischen Bildmaterials die ganze Dimension jener "affaire infernale", die für einige Monate halb Europa beschäftigte - zum ersten Mal für das deutschsprachige Publikum. Eine äußerst unterhaltsame und zuweilen haarsträubende Lektüre.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.2012
Über die "affaire infernale" um den Bruch zwischen den ungleichen Philosophen David Hume und Jean-Jacques Rousseau ist viel geschrieben worden, doch pünktlich zu Rousseaus 300. Geburtstag erscheint nun etwas, wie Rezensent Helmut Mayer findet, "noch viel Besseres": eine kommentierte Sammlung von Briefen und Zeitdokumenten, die dazu einlädt, den Fall aus zeitgeschichtlicher Perspektive neu aufzurollen. Was den Rezensenten besonders amüsiert ist der Kontrast zwischen dem Pathos von Rousseaus Briefen und den teilweise nichtigen Anlässen für seine Verdächtigungen gegen Hume. Zutage trete hier Rousseaus "Verlangen nach Stigmatisierung". Ebenso interessant sind die Zeugnisse, in denen Zeitgenossen das öffentlich ausgetragene Zerwürfnis kommentieren. Ein besonderes Lob gibt es für Sabine Schulz, die den reich ausgestatteten Band "nicht nur appetitlich, sondern auch mit philologischer Sorgfalt" herausgegeben habe.
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