Mit 9 schwarz-weiß Abbildungen. Kaum eine europäische Grenze wurde im Verlauf des 20.Jahrhunderts so oft hin- und hergeschoben wie die zwischen Italien und Jugoslawien. Hier lag das südliche Machtgebiet des Habsburger Vielvölkerreiches, sein Siechtum in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war zugleich Ursache und Ergebnis jener Freiheitsbewegungen, in denen die späten Nationen, zu denen sich Italiener und Südslawen allmählich formten, um ihre Identität, ihre territorialen Grenzen und ihre politische Unabhängigkeit rangen. Nach- und nebeneinander etablierten sich disparate politische Regime. Dazwischen lag der Zweite Weltkrieg, mit dem Kampf der Partisanen gegen Wehrmacht, SS und italienische Armee. Ihm folgten neue Grenzverschiebungen. Sie waren, wie alle vor ihnen, mit Fluchtbewegungen und einem Umbau der Kulturen verbunden. Diesem insbesondere und dem Krieg in den Köpfen nähert sich das vorliegende Buch, vor dem Hintergrund der jüngsten Balkankriege und in vergleichender kulturgeschichtlicher und geschichtspolitischer Perspektive.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.09.2004
Anschaulich, lobt Rezensent Jens Becker, zeichne der Frankfurter Historiker Rolf Wörsdörfer in diesem Buch die Geschichte des "Nationalismus" zwischen 1915 und 1955 im nordöstlichen Adriaraum, dem "geschichtsträchtigen" Grenzgebiet zwischen Italien und Jugoslawien nach. Insbesondere hebt der Rezensent hervor, dass Wörsdörfer zeigen kann, wie die "Nationalisierung" im untersuchten Gebiet intendierte und nichtintendierte Inklusions- und Exklusionsprozesse beschleunigt hat. Der Verlauf der Kämpfe der Partisanen im Zweiten Weltkrieg gegen das deutsche beziehungsweise italienische Besatzungsregime, die "Erinnerungskultur" der Partisanen und ihre "interkulturelle Praxis" fand Becker "glänzend beschrieben". "Sachlich" habe sich Wörsdörfer auch mit der antikommunistischen Legendenbildung um die italienischen Opfer der schon erwähnten Partisanen auseinander gesetzt; und schließlich lobt Becker, der Autor habe Archivmaterial und wissenschaftliche Literatur zu seinem Thema "akribisch" ausgewertet. Insgesamt sei Wörsdörfer hier eine "Pionierstudie" gelungen, die überdies auch noch "glänzend geschrieben" - und deren einziger Makel ein unvollständiges Abkürzungsverzeichnis sei.
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