Mit einem Vorwort von Peter Glotz. Vor allem aus beruflichen Gründen reiste Kurt Köpruner, österreichischer Manager einer Regensburger Maschinenbauagentur, in den Jahren 1990 bis 2000 viele Male in das zerfallende Jugoslawien. Er hat aufgezeichnet, was er dort selber erlebt und in vielfältigen geschäftlichen und privaten Kontakten erfahren hat - und das entspricht meist ganz und gar nicht den hiesigen "amtlichen" Darstellungen von der Krise am Balkan...
Der Autor, ein österreichischer Geschäftsmann, unternimmt den Versuch, so Rezensent Markus Bickel, eine Gegenöffentlichkeit zur Information durch die westlichen Medien in Bezug auf die politischen Entwicklungen im Balkan herzustellen: Solange Köpruner seine These durch eigene Erlebnisse und Augenzeugenberichte vor Ort abstützen könne, gelingt ihm dies durchaus, findet Bickel. Der Verfasser komme zu einer erfrischend unideologischen Sicht der Dinge und entwickle eine ganz eigene Genese der balkanischen Sezessionskriege, an der uns der Rezensent allerdings nicht teilhaben lässt. Die große politische Analyse sei dagegen Köpruners Sache nicht, gibt er zu, da habe man schon weitaus Besseres über die Rolle von Bundesregierung und Nato lesen können. Bei aller Kritik an der Rolle Deutschlands und der deutschen Berichterstattung schlage sich der Autor jedoch nie auf die falsche Seite und unterscheide sich damit wohltuend von Büchern mit ähnlicher politischer Stoßrichtung wie etwa Jürgen Elsässers "Kriegsverbrechen. Die tödlichen Lügen der Bundesregierung".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.03.2002
"Hinreißend" findet Peter Glotz, der das Vorwort zu Kurt Köpruners Betrachtungen über Ex-Jugoslawien beigesteuert hat, die Beschreibungen und Reflexionen des Autors. Dem kann sich Rezensent Boris Kanzleiter nur anschließen. Den besonderen Reiz verortet Kanzleiter im nicht-fachlichen Zugang Köpruners zum Thema. Denn der 50-Jährige Österreicher hatte in den neunziger Jahren das kriegsgeschüttelte Land als Vertreter einer Regensburger Maschinenbauagentur bereist und "wachsam" seine eigenen Beobachtungen festgehalten. Das kontrastiere sehr erhellend, findet Kanzleiter, mit der "amtlichen Geschichte". Schrittweise könne der Leser an den Entdeckungen des Autors teilnehmen und werde so zum Begleiter bei der Reise auf den verschlungenen Pfaden der Zerstörung dieses Landes. Und dabei spare Köpruner auch nicht mit Kritik an der Haltung Deutschlands zum Konflikt, insbesondere am Kosovo-Krieg. Das Buch ersetze sicher nicht die Sachliteratur, betont der Rezensent, aber es präsentiere die subjektive, dabei kritische Perspektive eines engagierten Zeitgenossen.
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