Robert W. Scribner

Religion und Kultur in Deutschland 1400-1800

Cover: Religion und Kultur in Deutschland 1400-1800
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2002
ISBN 9783525351710
Gebunden, 413 Seiten, 46,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Wolfgang Kaiser. Herausgegeben von Lyndal Roper. Robert W. Scribner (1941-1998) war einer der anregendsten und innovativsten Sozialhistoriker der deutschen Reformation und der Frühen Neuzeit in Europa. Dieser Band bietet in einer repräsentativen Auswahl von Texten einen Überblick über die zentralen Themen, Ansätze und Ergebnisse seiner Forschung. Im Mittelpunkt stehen Scribners Arbeiten über Formen der Volkskultur und des Volksglaubens im Spätmittelalter und in der Reformationszeit, in denen er sich vor allem mit den vielfältigen Formen wechselseitiger Durchdringung von Praktiken der Volksfrömmigkeit und reformatorischer Glaubenssätze beschäftigt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.03.2003

Rezensent Harm Klueting zeigt sich erfreut über den Band "Religion und Kultur in Deutschland 1400-1800", der vierzehn Aufsätze des 1998 verstorbenen Historikers Robert Scribner versammelt. Scribner, dem die deutschsprachige Forschung zur Geschichte der Reformation viel verdanke, wurde nach Auskunft Kluetings als Sozialhistoriker der deutschen Reformation bekannt, der nach der Rolle der Analphabeten - im 16. Jahrhundert die Masse der Bevölkerung - bei der Verbreitung der reformatorischen Ideen gefragt habe. Wie Klueting darlegt, setzte Scribner der alten These vom Zusammenhang von Buchdruck und Reformation den Versuch der Aufhebung des Gegensatzes von Schriftkultur und mündlicher Kultur entgegen. "Er sah das gedruckte Wort der Reformatoren als Teil eines umfassenden Kommunikationsprozesses", erklärt Klueting, "das führte ihn zu Studien über Rituale und über Magie im Protestantismus und zu Einsichten über Wahrnehmungen und über die Macht des Sehens und der Bilder."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.01.2003

Der posthum erschienene Band "Religion und Kultur in Deutschland 1400-1800" bietet nach Ansicht von Rezensent Valentin Groebner einen "faszinierenden Blick" auf die Arbeit des australischen Historikers Robert Scribner. Seine hier versammelten Texte würdigt Groebner "als Fragmente einer nicht geschriebenen groß angelegten Geschichte der Reformation, und zwar einer jenseits von konfessioneller Frömmigkeitshistoriographie und nationaler Verengung." Groebner hebt hervor, dass Scribners Blick auf die Reformation neugieriger und unbefangener war als der der deutschen Reformationsforschung - sah Scribner doch die dramatischen Veränderungen des 16. Jahrhunderts nicht von der Geschichte abstrakter theologischer Konzepte her, sondern von einer "populären 'Heilsökonomie', vom Markt für religiöse Dienstleistungen". Dabei rücke Scribner auch manche "lieb gewonnene Mythen" von der Reformation als "Volksbewegung" zurecht. Die vormals selbstverständliche Konzentration der deutschsprachigen Reformationsgeschichte auf Theologie und Ereignisgeschichte und die Suche nach "Ursprüngen" nationalen Sentiments oder moderner sozialer Bewegungen aufgebrochen zu haben, ist für Groebner ein großer Verdienst von Scribners Arbeiten. "Seine Studien zur frühneuzeitlichen Religion und Kultur in Deutschland", resümiert Groebner abschließend, "sind wegweisend geworden."

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