Der Protestantismus ist nicht nur ein deutsches Phänomen. Über 500 Jahre hinweg haben die evangelischen Kirchen die Geistes- und Religionsgeschichte ganz Europas geprägt. Der Kirchenhistoriker Martin Greschat beschreibt diese europäische Geschichte, in dem er Schlaglichter auf die entscheidenden Epochen der Entwicklung des Protestantismus wirft. Neben Luthers Reformation werden die Aufklärung und die Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts beschrieben. Aber auch politisch wirksame Phänomene, wie der protestantische Nationalismus im Deutschen Kaiserreich oder die Ökumene als das große Projekt des Protestantismus im späten 20. Jahrhundert, kommen in den Blick. Ein Ausblick auf die Zukunft des Protestantismus schließt diesen knappen und gut lesbaren Band ab.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.09.2005
Was war die Reformation, wie wirkt sie in die Gegenwart hinein und vor allem: Ist der Protestantismus zukunftsträchtig? Martin Greschat bejaht das und skizziert in seiner Studie, welche Wandlungen notwendig sind, damit der Protestantismus im "nachchristlichen Europa" seine Relevanz behält. Walter Sparn würde ihm gern Glauben schenken, zweifelt aber an einigen der Vorschläge: Gut und richtig, dass Greschat die "Diesseitigkeit" und die "nichttheologische, sozial engagierte Dynamik" des Protestantismus als Plus in säkularen Zeiten darstellt, aber die "Strukturschwäche" des Reformchristentums ist damit noch nicht überwunden. Ebenfalls nachvollziehbar für den Rezensenten: die Konstatierung eines "gemeinsames Vermächtnisses von Aufklärung und Erweckung". Doch wo bleibt der Blick auf die Wissenschaften? Und was ist mit den künstlerischen Traditionen des Protestantismus, fragt Sparn. Sein Fazit: eine anregende, aber etwas einseitige Darstellung.
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