Raul Hilberg

Anatomie des Holocaust

Essays und Erinnerungen
Cover: Anatomie des Holocaust
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016
ISBN 9783100025050
Gebunden, 336 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Petra Post und Andrea von Struve. Der 2007 verstorbene Doyen der Holocaust-Forschung hat einen reichhaltigen Fundus an wichtigen Texten hinterlassen, die bislang nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Im Band "Anatomie des Holocaust" liegt nun erstmals eine Auswahl dieser Texte auf Deutsch vor. Es geht darin um bis heute kontroverse Fragen zur Geschichte des Holocaust, etwa die Rolle der Judenräte, die Motive der Deutschen für die Verfolgung und Ermordung der Juden und die Frage der moralischen Verantwortung. Zugleich runden sehr persönliche Texte das Bild ab: So beschreibt Raul Hilberg seine bewegende Reise nach Auschwitz als Mitglied der Holocaust-Kommission 1979 und erzählt, wie er seine Arbeit als Holocaust-Forscher empfunden hat.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.09.2016

Rezensent Rudolf Walther schätzt Raul Hilberg sehr, deswegen begrüßt er auch diesen Band mit Essays und Aufsätzen des Holocaust-Historikers, der immer dem "methodischen Minimalismus" verpflichtet gewesen sei: "Mit möglichst wenig Worten viel sagen." Auch dass Hilberg weniger an Ideologie interessiert war, schätzt Walther. Der Blick auf die Strukturen brachte Hilberg zu der ungeheuren Erkenntnis, dass es kein einziges Element in der deutschen Gesellschaft gab, das nicht in die Vernichtung der europäischen Juden eingebunden war. In weiteren Texten reflektiert Hilberg seine eigene Forschungsleistung und verschiedene Kontroversen (etwa um die Judenräte), erählt Walther. Die titelgebende "Anatomie des Holocaust" war eine Hommage auf Hilbergs Lehrmeister Franz Neumann von 1980, die Hilberg selbst später seinen "harmlosesten Vortrag" überhaupt nannte, wie Walther weiß, es war der erste vor deutschem Publikum. Es hatte lange gedauert, fügt Walther hinzu, bis Hilberg beim Fischer Verlag seinen würdigen Platz fand.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.08.2016

Michael Wildt findet in der Sammlung mit Essays und Erinnerungen von Raul Hilberg aus den Jahren 1965 bis 2007 viel Lesenswertes über den Holocaust selbst und das Bemühen des Autors um das Verständnis seiner Strukturen und Prozesse. Was Hilberg hier an kontroversem Material zur Ermordung der europäischen Juden auffährt, zeigt laut Wildt die produktive Neugier und Innovation des Historikers, sein analytisches Geschick und seine Beharrlichkeit. Besonders berührend findet Wildt die im Band enthaltenen Erinnerungstexte, da sie nicht nur Hilsbergs unbeirrbare Seite offenbaren, sondern auch die verletzliche des lange Zeit unbeachteten Wissenschaftlers.
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