Übersetzt von: Wera Kapkajew. Wiesław Kielar wurde 1940 mit dem ersten Transport aus dem Gefängnis Tarnów als politischer Häftling nach Auschwitz deportiert. Fast fünf Jahre lang war er unmittelbarer Zeuge des Verbrechens. Jahre später hat er über das Erlebte geschrieben. Sein Bericht stellt die Realitäten des Lagers und die Normalität der Brutalität in kompromissloser Schonungslosigkeit dar. Mit außergewöhnlicher Beobachtungsgabe beschreibt er die fürchterlichen Lebensbedingungen, die Hierarchien und Abläufe. Kielars Erinnerungen sind mehr als eine Chronik der Fakten, mehr als ein Blick in das System der national-sozialistischen Vernichtungslager: Sie sind ein wichtiges Dokument menschlicher Haltung inmitten menschlicher Niedertracht .Die Neuausgabe erscheint mit einem Vorwort von Siegfried Ressel.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.02.2025
Marta Kijowska kommt auf die Gedenkfeier zur Befreiung des Lagers Auschwitz vor achtzig Jahren zurück. In Auschwitz wurden auch unzählige nichtjüdische Polen umgebracht schreibt sie. Sie verweist vor allem auf das Buch "Anus Mundi" von Wieslaw Kielar, dessen Übersetzung bereits 2023 im S. Fischer Verlag erschien, das aber in der deutschen Presse bisher kaum Beachtung erfuhr. Kielar gehört wie Tadeusz Borowski und Seweryna Szmaglewska zu den AutorInnen, die das Leiden nichtjüdischer Polen im Lager beschreiben. Kielars Bericht liest sich für Kijowska besonders instruktiv, weil er in viereinhalb Jahren Auschwitz viele verschiedene Stationen des Lagers durchlief. Die nichtjüdischen Polen hatten einen eigenen Blick auf ihre Erfahrung, so Kijowska. Wie Borowski beschreibe Kielar das Lager als eine "moralisch indifferente Welt, in der es keine klare Trennung von Opfern und Tätern gibt, in der jeder alles tut, um zu überleben". Borowski sei in seinem Buch "Bei uns in Auschwitz" allerdings noch bei weitem zynischer, während sich Kielar bemühe, sachlich und präzise zu bleiben, die Dinge so zu schildern, wie sie gewesen sind.
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