Yitskhok Rudashevski

Tagebuch aus dem Ghetto von Wilna

Juni 1941 - April 1943
Cover: Tagebuch aus dem Ghetto von Wilna
Metropol Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783863315344
Broschiert, 150 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben und aus dem Englischen übersetzt von Wolf Kaiser. Als Vierzehnjähriger beginnt Yitskhok Rudashevski im Sommer 1942 Tagebuch zu führen. Er hält die Schikanen der Deutschen und ihrer Helfer im Ghetto von Wilna und die Mordaktionen im benachbarten Ponar fest, aber auch die vielfältigen Aktivitäten im wiedergegründeten Gymnasium und im Jugendklub, an denen er intensiv teilnimmt. Ebenso differenziert wie kritisch beschreibt er das Alltagsleben und kommentiert das Verhalten des Judenrats und der jüdischen Polizei. Die Tagebucheinträge zeigen einen jungen Intellektuellen von weitgespannten Interessen, der begeisterungsfähig und voller Hoffnung ist und zugleich in dem Bewusstsein lebt, dass sein Leben in jedem Augenblick bedroht ist. Als Yitskhok mit seiner ganzen Familie zur Erschießung nach Ponar getrieben wurde, gelang es seiner Cousine Sore Voloshin, zu den Partisanen zu entkommen. Bei ihrer Rückkehr nach Wilna fand sie das Tagebuch im letzten Versteck der Familie.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.01.2021

Das war höchste Zeit, findet Rezensent Klaus Hillenbrand! Höchste Zeit, dass Yitshkhok Rudashevskis Tagebuch auch in deutscher Sprache erscheint. Denn das deutsche Gedenken an die NS-Zeit beschränkt sich laut Hillenbrand immer noch fast ausschließlich auf Mittel- und Westeuropa. So hat jedes Schulkind das Tagebuch der Anne Frank gelesen, doch die Aufzeichnungen des 15-jährigen Rudashevski aus dem besetzten Litauen sind weitestgehend unbekannt. Einen direkten Vergleich der beiden Bücher verbietet sich der Rezensent, denn jede Erinnerung sei individuell, jedes Leid einzigartig. Gerade deshalb aber, betont er, ist es so wichtig, dass einem historischen Zeugnis wie dem "Tagebuch aus dem Ghetto von Wilna" Aufmerksamkeit geschenkt wird. Darin erzählt der junge Rudashevski eindrücklich und lebensnah vom Alltag im Ghetto. Er ist nicht nur ein aufgeweckter Beobachter, erklärt Hillenbrand. Er "reflektiert auch, bildet sich Urteile", will sich auflehnen gegen dieses aufgezwungene Leben. Seine Aufzeichnungen enden 1943, nachdem das Ghetto aufgelöst und Rudashevski und seine Familie umgebracht wurden. Sein Zeugnis darf nicht untergehen, meint der Rezensent, und appelliert daher an Leser, an Händler, Eltern und Lehrer: Lest, verschenkt, verkauft, präsentiert, empfehlt dieses Buch!

Beliebte Bücher

Tony Tulathimutte. Fiasko - Fiktionen . dtv, München, 2026.Tony Tulathimutte: Fiasko
Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen…
Eva Menasse. Alleinruhelage - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Eva Menasse: Alleinruhelage
Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.…
Heinz Strunk. Memories of Heidelberg - Roman. Rowohlt Verlag, Hamburg, 2026.Heinz Strunk: Memories of Heidelberg
Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub…
Miriam Carbe. Unerwünschte Töchter - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter
Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit.…