Radjo Monk

Blende 89

Cover: Blende 89
Edition Büchergilde, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783936428469
Gebunden, 287 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Mit einem Nachwort von Joachim Walther. Blende 89 ist ein poetisches und politisches "Tagebuch". Es beginnt am dritten Oktober 1989 und endet ein Jahr später. Der junge, hochbegabte, aber ausgegrenzte Autor Christian Heckel wird im Oktober ´89 von der vorrevolutionären Stimmung in Leipzig erfasst. Er fühlt den Puls der Zeit, die nach jahrzehntelang verordnetem Stillstand zu rasen beginnt. Er findet sich auf der Straße wieder, mitten im aufziehenden revolutionären Herbststurm. Die allgemeine Stagnation beginnt langsam aufzubrechen. Das Volk entledigt sich seines Maulkorbs. Die letzte Option des sterbenden Staates, die der nackten Gewalt, weicht dem befreienden Glücksgefühl. Blende 89 ist weit mehr als die Chronik eines Glücksfalles der Geschichte. Es ist das einmalige Notat eines autonomen Geistes in der untergehenden DDR-Diktatur.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.01.2006

Radjo Monk dokumentiert die Zeit vom 3. Oktober 1989 bis zur Wiedervereinigung und versucht sie "ästhetisch greifbar" zu machen, konstatiert Christoph Schmaus. Dass alles "subjektiv gefärbt" wiedergegeben wird, macht dem Rezensenten nicht nur nichts aus, er befürwortet diesen persönlichen Umgang mit der Geschichte sogar, da der Autor so seine ganze Gefühlspalette darlegen kann. Monk schreibe als "Intellektueller", distanziert zum Mitbürger und mit "Schärfe" gegenüber dem Regime. Ein Tipp von Schmaus: Immer die historische Umgebung im Blick behalten und ausgiebig das Nachwort nutzen. Dann nämlich können Radjo Monks Aufzeichnungen nach dem Dafürhalten des Rezensenten zu "künstlerischen Dokumenten der Aufarbeitung von Geschichte" avancieren.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.2005

Christian Heckels unter dem Pseudonym Radjo Monk erschienenen Aufzeichnungen der Ereignisse rund um den 9. November 1989 sind ein "Augenzeugenbericht von seltener Unmittelbarkeit", preist Alexander Kosenina. Es handelt sich dabei um zunächst nur für ihn selbst notierte Tagebucheinträge, die sich als ein "Stück aufschlussreiche Zeitgeschichte" erweisen, betont der Rezensent. Besonders ansprechend findet er es, dass Monk seine Eindrücke ganz unmittelbar notiert, auch wenn sich seine Einschätzungen im Nachhinein als "unzureichend oder gar unzutreffend" herausstellen. Das Buch vermittele Einblicke in die "alternative Kunstszene der DDR" und in die unterschiedlichen "Spielarten des Protests", so Kosenina interessiert, der einige Szenen von "bedrückender Intensität" in den Aufzeichnungen gefunden hat. Wenn allerdings der Autor versucht, philosophische oder poetische Betrachtungen in seine Beobachtungen einzustreuen, findet der Rezensent das nicht besonders geglückt. Trotzdem lobt er nachdrücklich die "kritischen Zweifel und die Bescheidenheit" Monks, die sich immer wieder in diesen Notaten niederschlagen und betont, dass der "Wert" der Aufzeichnungen in ihrer historischen und nicht in ihrer künstlerischen Dimension liegt.