Das wunderbare Jahr der Anarchie

Von der Kraft des zivilen Ungehorsams 1989/90
Cover: Das wunderbare Jahr der Anarchie
Ch. Links Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783861533337
Gebunden, 240 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Von Christoph Links, Sybille Nitsche und Antje Taffelt. Die Wende jährt sich in diesem Herbst zum 15. Mal und mit ihr die umstürzlerischen Aktionen unzähliger DDR-Bürger, beflügelt von der Hoffnung auf ein freieres und selbstbestimmtes Land.Mehr als vierzig authentische Geschichten erzählen vom Widerspruchsgeist und Aufbegehren ostdeutscher Frauen und Männer, von den Konfrontationen mit der Macht in den Monaten zwischen Herbst 1989 und Herbst 1990. Plötzlich war machbar, was lange undenkbar schien: Man entmachtete kurzerhand den Betriebsdirektor, verweigerte Befehle, gründete Gegengewerkschaften, besetzte Häuser, trat in Hungerstreik und jagte die Stasi davon. "Was haben wir uns damals nicht alles getraut?!", fragen sich die Protagonisten rückblickend.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2005

"In großen und kleinen Orten geschah das, es geschah Großes und Kleines." Wolfgang Schuller meint die Ereignissen und Aktivitäten, die unter dem Begriff der "friedlichen Revolution" von 1989/90 im Bewusstsein verankert, aber zugleich, wie er beklagt, seltsam reduziert sind. In Vergessenheit sei geraten, dass sich die Menschen "republikweit" auflehnten, und dass der freiheitliche Geist nicht nur in der Bewahrung der Stasi-Akten oder in den Leipziger Montagsdemos seinen Ausdruck fand, sondern genauso in tausend kleinen Aktionen Einzelner. Das große Verdienst des vorliegenden Buches ist es Schuller zufolge, dass es die flächendeckende Ausbreitung des "zivilen Ungehorsam" in Erinnerung ruft. Eine Vielzahl von "kleinen Skizzen" ergibt ein Panorama des Widerstands, birgt aber auch, so der Rezensent, die Gefahr einer Verniedlichung. Denn was bei den im "Plauderton" abgefassten Geschichten manchmal in den Hintergrund gerate, sei das unheheure Risiko, dass noch in den Tagen des Aufbruchs beispielsweise mit dem Aufstellen eines Kreuzes oder dem Kleben eines Plakates verbunden war.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.02.2005

Die Flucht tausender DDR-Bürger über die unbewachte Grenze in Ungarn in den Westen läutete im Sommer 1989 das Ende der DDR ein. Der Verlauf der großen Geschichte ist wohlbekannt, weniger bekannt sind dagegen die kleinen Geschichten in dieser Geschichte, die sich in diesem Sommer, in dem vielerorts faktisch Rechtlosigkeit herrschte, abspielten. Der vorliegende Band über den "wunderbaren Sommer der Anarchie" berichtet davon. Während dieser Zeit wurde all das möglich, "wovon alle Freunde zivilen Ungehorsams träumen", berichtet Rezensent Steffen Pachali: Bezirksregierungen absetzen, Landsitze besetzen, Militärbefehle ignorieren oder Straßen blockieren und dabei von staatlichen Behörden auch noch unterstützt zu werden. In vielen kleinen Geschichten erzählten die Autoren die kleinen Heldentaten ganz normaler Bürger. "Das anarchistische der Geschehnisse ist für nachgeborene oder westdeutsche Leser wohl schwieriger nachvollziehbar", befindet Pachali. Jedenfalls kommt nicht umhin festzustellen: "Aus heutiger Sicht wirken die berichteten Begebenheiten manchmal lächerlich, teilweise nur komisch."

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