Klappentext

An keiner anderen Stelle seines Werkes äußert sich Erwin Strittmatter so offen und so intim wie in diesen späten Tagebüchern. Er spricht von kräftezehrenden Ehekrisen, dem emotionalen Chaos, in das ihn die Entfremdung zu seiner Frau Eva stürzt, seiner Eifersucht auf die Beziehung der Söhne zu ihrer Mutter, von Schwierigkeiten des Alterns und seinem Bemühen, im Taoismus geistigen Halt zu finden. Trotz seines Rückzugs aus dem öffentlichen Leben bleibt er der kritische Beobachter und Zeitgenosse. Eine zentrale Frage, die ihn nicht loslässt, gilt seiner früheren Parteigläubigkeit. Schon längst glaubt er nicht mehr an Utopien, und das Fazit seines DDR-Lebens ist nüchtern: "Ich ernte, was ich anbaute." Emotionslos und gelassen registriert er die Auflösung der sozialistischen Welt. Die Umbruchprozesse von 1989/90 wertet er unsentimental als Konsequenz der verfehlten DDR-Politik.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.01.2015

Dass Privilegien kein Garant für Glück sind, lernt Ulrich Baron mit den Aufzeichnungen von Erwin Strittmatter Teil zwei. Der von Almut Giesecke ausführlich kommentierte Band scheint dem Rezensenten nicht nur eine 1A Quelle zur Politik, zum Kulturbetrieb und zum Alltag der DDR zu sein, aber auch Strittmatters eigene Welt zu beleuchten, sogar seine Verfehlungen und Torheiten. Was es mit der Schein-Industrialisierung der Landwirtschaft auf sich hatte, mit dem Kollegen Hermann Kant, mit Strittmatters Bukolik oder der Verwandlung zu Tod - Baron erfährt es hier.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.11.2014

Jens Jessen stößt in einer vergleichenden Lektüre der "Moskauer Tagebücher" Christa Wolfs und der Tagebücher Erwin Strittmatters aus den Jahren 1974 bis 1994 auf zwei sehr unterschiedliche "Schreibhaltungen in der Diktatur", so ungemütlich sie der Partei auch gewesen sein mögen. Strittmatter war im Gegensatz zu Wolf - und trotz seiner anfänglichen Verwicklung in den Staatsapparat - nie überzeugter Kommunist, erklärt der Rezensent. Sein Unbehagen an der DDR speiste sich aus der "Egozentrik des Künstlers", des Schriftstellers, der sich nichts vorschreiben lassen will, so Jessen. Doch seine Einsicht in das hoffnungslose Unternehmen des Sozialismus und seine Abneigung gegen dessen totalitäre Tendenzen bewahrten Strittmatter nicht vor ernsten charakterlichen Fehltritten, verrät der Rezensent, etwa sein Schweigen über seine Rolle als Wachtmeister des SS-Polizei-Gebirgsjäger-Regiments, das Jagd auf Partisanen machte, berichtet Jessen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.09.2014

Rezensentin Cornelia Geissler entdeckt in diesen von Almut Giesecke herausgegebenen Aufzeichnungen Erwin Strittmatters aus den Jahren 1974 bis 1994 nur selten Warmherzigkeit. Vor allem noch, wenn der Autor über seine Tier schreibt. Ansonsten erlebt Geissler Strittmatter als einen zwischen DDR-Staatstreue und Enttäuschung Hin- und Hergerissenen, der dem Alltag im Text kaum Aufmerksamkeit schenkt. Politik kommt laut Geissler im Buch verstärkt erst zu Gorbatschows Zeit vor. Vor allem gibt der Schriftsteller der Rezensentin Einblicke in seine Ideenküche und sein Ringen mit dem Stoff und mit der Zensur.