Nach den ersten freien Volkskammerwahlen der DDR am 18. März 1990 kam eine Regierung an die Macht, deren Aufgabe es war, sich selbst abzuschaffen. Die deutsche Einheit sollte hergestellt werden, möglichst binnen zwei Jahren. Dass dies dann innerhalb weniger Monate geschah, ahnte anfänglich niemand und überforderte viele. Die Ereignisse überschlugen sich, die Wirtschaft kollabierte nach der schnellen Währungsunion, die Regierungskoalition zerbrach, der Streit über Eigentumsfragen und Stasi-Verstrickungen begann. Zugleich wurden Hunderte Gesetze und Verordnungen beschlossen, um eine Rechtsangleichung zu ermöglichen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.07.2010
Peter Ensikat lässt mit diesem Buch noch einmal die Geschehnisse vom April 1990 Revue passieren. Als Gedächtnisprotokoll leistet ihm der Band von Ed Stuhler dabei gute Dienste. Die von Stuhler zur damaligen Sachlage Befragten geben ihm mit ihren unterschiedlichen Wertungen ein differenziertes Bild über den Druck, der auf der Ostberliner Regierung lastete, über das Tempo und die Fährnisse (Kleiderordnung!). Ostdeutschland erscheint ihm in vielen der Aussagen, besonders in denen, die sich mit den "Beratern aus dem Westen" auseinandersetzen, wie ein Kinderspielplatz, auf dem es aber um Sein oder Nichtsein ging. Auch in der Frage, was Politik aus Menschen macht, leistet der Band dem Rezensenten gute Dienste.
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