Philippe Sands

Rückkehr nach Lemberg

Über die Ursprünge von Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Cover: Rückkehr nach Lemberg
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2018
ISBN 9783103973020
Gebunden, 592 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke. Als der Anwalt für Menschenrechte Philippe Sands eine Einladung nach Lemberg erhält, ahnt er noch nicht, dass dies der Anfang einer erstaunlichen Reise ist, die ihn um die halbe Welt führen wird. Er kommt einem bewegenden Familiengeheimnis auf die Spur, und stößt auf die Geschichte zweier Männer, die angesichts der ungeheuren NS-Verbrechen alles daran setzten, diese juristisch zu fassen. Sie prägten die zentralen Begriffe, mit denen seitdem der Schrecken benannt und geahndet werden kann: "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" und "Genozid". Philippe Sands verwebt die Geschichte von Tätern und Anklägern, von Strafe und Völkerrecht zu einer kraftvollen Erzählung darüber, wie Verbrechen und Schuld über Generationen fortwirken.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.05.2018

Rezensent Stephan Wackwitz ist fasziniert von diesem Buch des Juristen Philippe Sands. Wie der Autor hier die Lebenswege des Völkerrechtlers Hersch Lauterpacht und des Erfinders des Konzepts "Genozid", Raphael Lemkin, im habsburgischen Lemberg sich kreuzen lässt und mit Teilen seines eigenen Lebens und Wirkens verbindet, scheint Wackwitz die Lektüre wert. Als Epiker unserer Zeit müsse der Autor detektivische Archiv- und Erinnerungsarbeit leisten, erkennt Wackwitz achtungsvoll. Die juristische Grundlagenarbeit von Lemkin und Lauterpacht, so bedeutsam für die Nürnberger Prozesse und die Arbeit der Richter in Den Haag, lernt Wackwitz durch Sands und seine sachliche, wenngleich aufrüttelnde Rekonstruktionsarbeit noch besser zu schätzen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.03.2018

Knud von Harbou geht zu viel durcheinander in Philippe Sands' Buch. Halb Familiengeschichte, halb Zeitgeschichte gelingt es dem Text laut Harbou nicht, klare Konturen zu entwickeln. Weder scheinen ihm die aufgemachten Verbindungen tragend noch bietet die Geschichte des Großvaters in Lemberg dem Rezensenten Neues. Und auch die juristischen Vorstöße Hersch Lauterpachts und Raphael Lemkins (beide aus Lemberg), die der Text aufnimmt, werden für den Rezensenten nicht befriedigend erläutert.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.03.2018

Rezensentin Alexandra Senfft ist beeindruckt von Philippe Sands Versuch, die eigene Familiengeschichte mit einer Geschichte von Tätern und Anklägern und der Geburtsstunde der internationalen Menschenrechte zu verbinden. Wie der englische Menschenrechtsanwalt dabei in jahrelanger Recherchearbeit zusammengetragene Erinnungsschnipsel zu einem Gesamtbild verdichtet, die Schwierigkeit, den Massenmord der Nazis juristisch zu fassen, erkundet und biografische, juristische, historische Ebenen aufmacht und elegant zwischen den Perspektiven wechselt, deren Zentrum stets Lemberg bleibt, hat Senfft nachhaltig fasziniert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.03.2018

Rezensentin Marie Schmidt sieht die Bedeutung von Philippe Sands' historischer Rekonstruktion darin, dass der Autor dem Zufall eine beziehungsreiche Geschichte abgewinnt: Über seine jüdischen Großeltern schreibt er, über die Nürnberger Prozesse und darüber, wie die dafür notwendigen Begriffe im Völkerstrafrecht erst gefunden werden mussten. All das vereint Sand in einer packenden Dramaturgie, lobt die Rezensentin. Indem er nüchtern und klar historische Zusammenhänge in ihren riesenhaften Dimensionen und zugleich unmittelbar und deutlich vergegenwärtigt, gelingt ihm laut Schmidt ein äußerst lesenswerter Text, ein Buch, das viele Bücher in sich vereint.