Philipp Austermann

Der Weimarer Reichstag

Die schleichende Ausschaltung, Entmachtung und Zerstörung eines Parlaments
Cover: Der Weimarer Reichstag
Böhlau Verlag, Wien - Köln - Weimar 2020
ISBN 9783412519858
Gebunden, 338 Seiten, 30,00 EUR

Klappentext

Am 20. Juni 1920 trat der erste Reichstag der Weimarer Republik zusammen. Er spiegelte stets den Zustand des Staates wider: seine politische Zerrissenheit, seine Belastung durch den verlorenen Ersten Weltkrieg und nicht zuletzt die Feindseligkeit, die der Demokratie von links und rechts entgegenschlug. Welche Chancen und Risiken für den Parlamentarismus bestanden, wie er seit 1930 immer mehr an den Rand gedrängt und schließlich zur bloßen Hülle wurde, zeigt dieses Buch.

Im Weimarer Reichstag spiegelten sich alle Probleme der jungen Republik wider. Er stand im Zentrum heftiger gesellschaftlicher und politischer Auseinandersetzungen. Das Erbe der Kaiserzeit und die Krisen der Republik forderten die Reichstagsabgeordneten und belasteten die Parlamentsarbeit schwer. Philipp Austermann erzählt die Geschichte der Weimarer Republik zum ersten Mal vor allem aus der Sicht ihres Parlaments und seiner Abgeordneten. Er beschreibt, wie häufig die demokratischen Parteien kompromissunfähig waren, wie sehr die Todfeinde der Demokratie von rechts und links den Reichstag als Agitationsbühne nutzten, um die parlamentarische Republik zu zerstören, wie gezielt Reichspräsident Hindenburg ab 1930 den Reichstag an den Rand drängte und wie der mit jeder Wahl in den 1930er Jahren steigende Stimmenanteil der Radikalen das Parlament lähmte und aushöhlte. Das Buch appelliert angesichts stärker werdender Populisten zugleich an die demokratische Wachsamkeit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.06.2020

Rezensent Jens Bisky hätte sich weniger Entrüstung und mehr Analyse gewünscht im Buch des Juristen Philipp Austermann. Dass der Autor der Menge an Literatur über das Ende der Weimarer Republik noch etwas hinzufügen zu können glaubt, hält Bisky erst einmal für mutig. Dass die für Bisky als Nachschlagewerk über den freiheitlichen Parlamentarismus taugende Studie aus dem Blick auf die AfD und etwaige Wiederholungen der Geschichte keinen Funken schlägt, bedauert der Rezensent. Vielleicht liegt das Grundproblem des Buches auch darin, dass der im Fokus stehende Reichstag ab 1930 einfach kein so bedeutungsschwerer Ort mehr war, mutmaßt Bisky.

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