Fritz Hartung (1883-1967), Professor an den Universitäten Halle, Kiel und Berlin, gehörte zu den bekanntesten und profiliertesten deutschen Historikern seiner Zeit. Als Schüler Otto Hintzes hatte er seit 1924 den angesehenen Lehrstuhl für Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte an der Berliner Universität inne; seine Bücher, vor allem die vielfach aufgelegte "Deutsche Verfassungsgeschichte" sowie seine "Deutsche Geschichte 1871-1918", waren jahrzehntelang Standardwerke. Hartung war politisch konservativ, kein Anhänger der Weimarer Republik, stand aber ebenfalls dem Nationalsozialismus fern und erregte mehrfach den Unwillen der NS-Machthaber. Nach 1945 blieb er im Amt und arbeitete ab 1948, obwohl in West-Berlin wohnend, für die Akademie der Wissenschaften im Ostteil der Stadt. So wurde er schon bald zu einem Grenzgänger zwischen Ost und West und zu einer Mittlerfigur der bald geteilten deutschen Geschichtswissenschaft der Nachkriegszeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2020
Rezensent Uwe Walter liest die 343 Briefe des Historikers Fritz Hartung aus den Jahren 1906-1964 mit Interesse, auch wenn es sich vor allem um univertitätsgeschäftliche Korrespondenz handelt und nicht um Entwürfe, Konzepte oder gar Geschichtsphilosophisches. Zu erahnen ist laut Rezensent allenfalls das "verlorene Ideal" des einsamen Denkers mit seinen Licht- und Schattenseiten. Die Edition mit "einfühlsamer" Einleitung, biografischen Anmerkungen, Literaturverzeichnis und Namensregister (leider ohne Zeittafel) findet Walter vorbildlich.
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