Warum gilt - angesichts der zahlreichen ökonomischen Krisen des 20. Jahrhunderts - ausgerechnet die Hyperinflation von 1923 als das deutsche Trauma schlechthin? Sebastian Teupe erzählt in diesem Buch die Geschichte der Geldentwertung, die im Kaiserreich im Jahr 1914 begann und während der Weimarer Republik im Jahr 1923 innerhalb kurzer Zeit Höhepunkt und Ende erreichte. Er schildert den Einfluss der Inflation auf das Leben in Stadt und Land, berichtet von den Gewinnern und den Verlierern der Inflation sowie den Zeit- und Denkhorizonten der Deutschen, die sich damals mit einem 100.000-Mark-Schein kaum mehr das Nötigste zum Überleben kaufen konnten. In internationaler Perspektive entschlüsselt er das Gewirr aus Ursachen und Wirkungen der Inflation und zeigt die Wegmarken auf, an denen andere Entwicklungen möglich gewesen wären. Der große Unterschied zwischen dem Erleben der Inflation als offener Zukunft und dem Erinnern eines abgeschlossenen Kapitels ist - so seine These - zentral, um heute die Inflation und ihre nachträgliche Deutung in Deutschland zu verstehen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.02.2023
Auch wenn in jüngerer Zeit schon eine Fülle von Büchern zum Schicksalsjahr 1923 erschienen ist, möchte Nikolaus Piper diese Lektüre noch empfehlen: Sebastian Teupe widmet sich in "Zeit des Geldes" den Gründen für und dem Verlauf der deutschen Hyperinflation 1923. So lernt der Rezensent, dass es im Vorfeld durchaus Bestrebungen gegeben hatte, gegen den Verfall des Geldwertes politisch vorzugehen, Ambitionen, die aber entweder Ablehnung erfahren haben oder aus berechtigter Angst vor Terror gar nicht erst umgesetzt worden sind. Anhand vieler Beispiele, von denen Piper einige aufführt, wird auch vorsichtig die Frage erörtert, wem die Inflation am meisten geschadet und wem sie vielleicht auch genutzt hat. Etwas mehr Struktur hätte der Band an einigen Stellen vertragen können, aber dennoch sehr lehrreich, zieht der Kritiker sein Fazit.
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