Philip Gourevitch, Errol Morris

Die Geschichte von Abu Ghraib

Cover: Die Geschichte von Abu Ghraib
Carl Hanser Verlag, München 2009
ISBN 9783446232952
Gebunden, 300 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Hans Günter Holl. Abu Ghraib war der Wendepunkt. Im Mai 2004 sah die Öffentlichkeit erste Bilder, auf denen irakische Häftlinge von US-Soldaten gefoltert und erniedrigt wurden. Spätestens jetzt waren alle Versuche der USA, den Irakkrieg moralisch zu rechtfertigen, zum Scheitern verurteilt. Abu Ghraib galt fortan als Symbol für Folter und für einen Krieg, der außer Kontrolle geraten war. Gemeinsam mit dem Oscar-Preisträger Errol Morris zeichnet der Journalist Philip Gourevitch das Bild einer Armee, die sich über alle Tabus hinwegsetzte, weil sie gegen den Terrorismus zu kämpfen glaubte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.05.2009

Im Wissen, dass die Vergangenheit nicht vergangen ist, liest Thomas Leuchtenmüller den von Philip Gourevitch und Errol Morris verfassten Band über die Geschichte von Abu Ghraib. Die Aufnahmen von angeleinten Häftlingen und Menschenpyramiden ohnehin vor Augen, begrüßt er, dass die Autoren auf Bildmaterial verzichten. Was die einschlägigen Bilder jenseits des Sichtbaren dokumentieren und wie es überhaupt zu den Aufnahmen kam, wird Leuchtenmüller hier gut recherchiert und lesbar ("geschmeidig" übersetzt zudem) präsentiert. Der nüchterne, keinesfalls farblose Stil, wie der Rezensent betont, wirkt auf Leuchtenmüller gerade durch den Verzicht auf Effekthascherei überzeugend und packend. Am Ende weiß er nicht nur, welche Faktoren - von den Rahmenbedingungen bis zum Druck aus Washington - ausschlaggebend waren für das Desaster. Offiziellen Schreiben und privaten Briefen kann er zudem entnehmen, wie gut informiert, etwa betreffend Befehlsverweigerung, die verantwortlichen "Täter in Uniform" waren, dass also persönliches Versagen ein wichtiges Moment in der Fiasko-Kette war. Ein gelungenes, ein erschreckendes Buch.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.02.2009

Sachdienlich und wichtig findet Rezensent Herfried Münkler dieses sorgfältig recherchierte Buch des Autorenduos, das sich aus dem Journalisten Philip Gourevitch und dem Dokumentarfilmer Errol Morris zusammensetzt. Das Buch sei eine ganz eigene Untersuchung zur Frage, wie es zu den Entgleisungen und Menschenrechtsverletzungen im Gefängnis von Abu Ghraib habe kommen können. Zu diesem Zweck hätten die Autoren die an den Vorfällen Beteiligten wochenlang befragt, um dann deren Sicht den objektiven Darstellungen der Ereignisse im Untersuchungsbericht der Regierung gegenüber zu stellen. Dadurch wird dem Leseindruck des beeindruckten Rezensenten zufolge die trockene Sprache der "offiziellen Untersuchungsberichte" nicht nur aufgelockert, sondern "regelrecht konterkariert". Sichtbar werde dabei auch das organisatorische Chaos, Angst und die "arrogante Überheblichkeit" der Verantwortlichen.

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