Mit 12 Fotografien von Moises Saman und 1 Karte. Zu Fuß, in Bussen, Gefängniswagen oder Sonderzügen zieht ein langer Flüchtlingstreck von der griechischen Insel Lesbos in Richtung Deutschland. Navid Kermani war im Herbst 2015 auf dieser "Balkanroute" unterwegs. In seiner Reportage berichtet er davon, warum die Welt der Krisen und Konflikte, die wir weit vor den Toren Europas wähnten, plötzlich auch unsere Welt ist. Navid Kermani beschreibt die Lage an der türkischen Westküste, wo Tausende Flüchtlinge in erbärmlichsten Verhältnissen auf eine unsichere Überfahrt warten. Er hat auf Lesbos die Ankunft derer beobachtet, die es geschafft haben und nun einen Kulturschock erleben. Er hat mit Helfern und Politikern gesprochen, vor allem aber mit den Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan und anderen Ländern: Was treibt sie fort, und warum wollen sie alle nach Deutschland? Er macht an unscheinbaren Details deutlich, welche kulturellen und politischen Konflikte die Menschen buchstäblich in Bewegung setzen - und wie Europa auf die Flüchtlinge reagiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.02.2016
Meisterhaft findet Joachim Frankfurt, wie es Navid Kermani gelingt, in seiner Reportage von der sogenannten Balkanroute die größten Risiken eines solchen Berichts zu vermeiden, also weder in Lakonie, noch in Gesinnungsjournalismus zu verfallen. Empathisch, authentisch und aufrichtig schildere der Autor seine Eindrücke und Erlebnisse, lobt Frankfurt, er verschweigt nichts und gibt immer wieder auch Einblick in seinen eigenen "inneren Zwiespalt". Besonders "in der Normalität des Ausnahmezustands" gelingen Kermani beklemmende und bewegende Schilderungen, so der tief beeindruckte Rezensent.
Als Wunderknaben der christlich-islamischen Verständigung porträtiert Rezensent Wolfgang Büscher den deutsch-iranischen Schriftsteller Navid Kermani zu Beginn seiner Kritik leicht spöttisch. Für das Buch hat er allerdings nur Lob. Kermanis Reportage über die Balkanroute vollzieht den Weg vieler Flüchtlinge nach, von der griechischen Insel Lesbos bis nach Köln, erzählt der Rezensent. Dabei sehe der Autor nicht allein die guten Geschichten, sondern auch die Probleme. Stark findet Büscher jene Passagen, in denen Kermani Wanderer nach den Motiven ihrer Flucht befragt; gespenstisch nennt der Rezensent die Berichte von der türkischen Küste. Zugleich erkenne der Friedenspreis-Träger die "Verrücktheiten des Gutseins", so Büscher, die bei den Helfern mitunter gar in "Junkietum" ausarten würden.
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