Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn. Ist ein "deutsches Europa" die bittere Frucht der europäischen Krise? In vielen europäischen Ländern wird es so wahrgenommen. Angela Merkel wird mit Hitler verglichen, die Rede ist von deutscher "Hegemonie" und einem neuen deutschen "Reich". Doch Deutschland ist heute ein anderes Land als im 19. Oder 20. Jahrhundert. Nur - welches? Einmal mehr könnte es zu einer Quelle der Instabilität im Herzen Europas werden. In "German Power" geht Hans Kundnani der Transformation Deutschlands seit der Vereinigung 1990 nach und stellt sie in den Kontext der deutschen Geschichte vor 1945. Dabei zeigt er Ähnlichkeiten auf und benennt einige Grundkonflikte - zwischen Kontinuität und Wandel, Ökonomie und Politik, Europa und der Welt. Kundnani kommt in seinem Essay zu dem Schluss, dass die "deutsche Frage" wieder zurückgekehrt ist - in geoökonomischer Gestalt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.02.2017
Berthold Merkle versteht Deutschland und seine Rolle in Europa mit dem Buch des Politikwissenschaftlers Hans Kundnani etwas besser. Wenn der Autor Parallelen zwischen Jetzt und Vergangenheit zieht und die Entwicklung Deutschlands seit 1871 analysiert, erkennt Merkle die Gefahren, die sich aus Deutschlands Stärke heute ergeben. Schröders Verfehlungen, Merkels Verhalten und die neue politische Überheblichkeit kann ihm Kundnani als Gefahren für das Zusammenleben in Europa auseinandersetzen. So anschaulich und lebendig hat Merkle darüber noch nicht gelesen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.05.2016
Rudolf Walther stößt auf unterkomplexe und angesichts der Flüchtlingskrise geradezu zynische Begrifflichkeiten zur wirtschaftlichen und politischen Konstellation in der EU im Buch des Politikwissenschaftlers Hans Kundnani. Hegemonie ist so ein Begriff, Mittel- und Randlage, Realismus und Idealismus. Die deutsche Frage in der Zeit zwischen 1871 und heute vermag ihm der Autor also nur ungenügend zu erörtern, auch wenn Walther die Zusammenfassung im Buch durchaus übersichtlich findet. Für eine historisch-politische Analyse, an deren Ende der Autor für Walther wiederum nachvollziehbar zu dem Schluss kommt, in der EU herrsche nicht Deutschland, sondern das Chaos, ist aber eine stärkere Differenzierung nötig, findet der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2016
Als "starken Tobak" bewertet der Bonner Rechtsprofessor Christian Hillgruber Hans Kundnanis Behauptung, Deutschland betreibe die "Logik des Krieges in der Grammatik der Ökonomie". Nicht ganz klar wird allerdings, inwieweit Kundnani diese These durchhält, denn einerseits scheint er Deutschland nach Hillgrubers Resümee vorzuwerfen, dass es seine ökonomische Überlegenheit in Europa ausspiele und heuchlerisch sein nationales Interesse mit dem europäischen gleichsetze. Andererseits spricht Kundnani Deutschland die Fähigkeit ab, ein europäischer Hegemon zu sein - auch wegen seine militärischen Passivität. Hillgruber scheint Kundnanis Ausführungen mit großem Interesse gefolgt zu sein, auch wenn er nicht allen Kritikpunkten Kundnanis an der deutschen Außenpolitik zustimmen mag.
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