Moritz Neuffer

Die journalistische Form der Theorie

Die Zeitschrift "alternative", 1958-1982
Cover: Die journalistische Form der Theorie
Wallstein Verlag, Göttingen 2021
ISBN 9783835350106
Gebunden, 415 Seiten, 36,00 EUR

Klappentext

Mit 30 Abbildungen. Die "alternative" als fortlaufender Versuch, mit den Mitteln einer Zeitschrift auf die Verhältnisse ihrer Zeit einzuwirken.In den Jahren um 1968 entwickelte sich aus einem kleinen literarischen Magazin eine der meistgelesenen Theoriezeitschriften der Bundesrepublik. Unter der Herausgeberin Hildegard Brenner wurde die "alternative" zu einem Forum intellektueller Entdeckungen und Wiederentdeckungen. Ideengeschichtliche Traditionen des westlichen Marxismus wurden hier ebenso diskutiert wie der französische Strukturalismus und die feministische Kritik der Psychoanalyse, literaturpolitische Auseinandersetzungen in Ost und West ebenso wie die politischen Bewegungen der Zeit.Einen Leitfaden der "alternative" bildete die fortlaufende Reflexion darüber, wie mit intellektuellen Mitteln gesellschaftliche Wirkung zu erzeugen sei - bis im linken Krisenjahrzehnt der 1970er Jahre vermehrt das Scheitern an diesem Anspruch zum Thema der Zeitschrift wurde. Moritz Neuffer rekonstruiert die Kollektivbiografie der Redakteurinnen, Autoren und Leserinnen und fragt, was das Publizieren in der "journalistischen Form" der Zeitschrift von anderen Formen des Denkens und Schreibens unterscheidet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.12.2021

Rezensent Jörg Später liest mit den Neuerscheinungen von Moritz Neuffer und David Bebnowski zwei lesenswerte Bücher, die die Zeitschriften der Neuen Linken erforschen. Der Historiker Neuffer widmet sich der Zeitschrift alternative, sein Kollege David Bebnowski analysiert die Zeitschriften Das Argument und Prokla. Beiden Autoren attestiert der Kritiker Umsicht und das Vermögen, ihre Lektüren in "breitere Kontexte" einzubinden, etwa in die bundesrepublikanische Zeitgeschichte. Gerade durch die vergleichende Lektüre erkennt Später die Parallelen der in den Fünfzigern gegründeten Nischen-Zeitschriften alternative und Argument, die anfänglich gar nicht marxistisch ausgelegt waren, sondern zunächst aus dem "Unbehagen" der immer noch gegenwärtigen Nazi-Vergangenheit entstanden. Der Lektüre der beiden Bände verdankt der Kritiker zudem nicht nur Einblicke in die Entwicklungsgeschichte der Zeitungen bis zu deren Ende, sondern erfährt auch von den unterschiedlichen Ideologien einzelner Redakteure. Nicht zuletzt lobt Später die Werke für interessante Antworten auf generelle Fragen wie: "Warum wurde der Marxismus in den Sechzigern relevant und im Laufe der Siebziger uninteressant?"
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…