Miljenko Jergovic

Die unerhörte Geschichte meiner Familie

Roman
Cover: Die unerhörte Geschichte meiner Familie
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2017
ISBN 9783895613968
Gebunden, 1144 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Aus dem Kroatischen von Brigitte Döbert. Als seine Mutter, zu der er kein einfaches Verhältnis hat, im Sterben liegt, reist Miljenko Jergović nach Sarajevo und bringt sie zum Erzählen über die Vorfahren. Dort, wo jede Straße ihn in die Vergangenheit seiner traumatisierten Heimat führt, setzt er sich in einem schmerzlichen Prozess mit ihrem Erbe auseinander: Kinder des einstigen Habsburgerreichs, waren sie als Eisenbahner Zugereiste, und jeder Krieg stellte ihre Identitäten und Loyalitäten neu auf die Probe. Das Gefühl von Fremdheit ist dem großen europäischen Erzähler Miljenko Jergović geblieben, auch wenn er sich an den Konflikten der Gegenwart auf seine Weise reibt. Fakten mit Fiktion vermischend und in konzentrischen Kreisen erzählend, zeigt er in diesem großen Weltentwurf, was das Leben in einem Vielvölkerstaat für den Einzelnen bedeutet, vor allem wenn er nicht zur Mehrheit gehört, sondern zu den "Anderen".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.05.2017

Weltliteratur, ruft Rezensent Andreas Breitenstein angesichts von Miljenko Jergovićs Geschichte seiner Familie, die für den Rezensenten zugleich eine Geschichte der Stadt Sarajevo im 20. Jahrhundert ist. Das Gewirr der Lebensgeschichten, Themen und Motive im Buch überfordert Breitenstein, lässt ihn aber die Rechercheleistung des Autors und das Wissen bewundern, das in dem Text steckt. Vielvölkerthematik, Massaker, Eisenbahnwesen, Bienenzucht, der Autor lässt nichts aus, meint er. Jergovićs empathischer Blick von unten scheint Breitenstein von aufklärerischer Kraft.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.03.2017

Eine Familiengeschichte "dicker als ein Ziegelstein", voller uneindeutiger Charaktere, voller Exkurse, Skizzen, Pausen, detailreich, keiner Chronologie und keinen Konstanten folgend, ist das neue Buch des kroatisch-bosnischen Autors Miljenko Jergovic, erklärt Rezensentin Doris Akrap und man ist schon überzeugt, einen Verriss zu lesen, doch dann die überraschende Wende: Nur ein hervorragender Schriftsteller schafft es, so eine Geschichte spannend zu erzählen, und so einer ist Jergovic, meint Akrap. Die Geschichte des Niedergangs der Familie Stubler aus Sarajevo ist zugleich ein "zeithistorisches Porträt" der damaligen jugoslawischen Gesellschaft und überdies raffiniert gebaut, spannend und erhellend, lobt die Rezensentin.