Semezdin Mehmedinovic

Sarajevo Blues

Cover: Sarajevo Blues
Hainholz Verlag, Göttingen 1999
ISBN 9783932622557
gebunden, 160 Seiten, 15,24 EUR

Klappentext

Lyrik und Kurzprosa.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.03.2000

Sehr angetan zeigen sich Anja Rummich und Oliver Rittweger von diesem Band, in dem sie weniger ein Kriegstagebuch als vielmehr ein ?Begriffswörterbuch einer Stadt? sehen. Dabei wissen die Rezensenten besonders zu schätzen, dass es dem Autor gelinge, den Leser ?durch seine Augen sehen? zu lassen. Mehmedinovics Sammlung von Essays, Gedichten und Prosa zeichneten sich vor allem durch eine Mischung von nüchterner und genauer Beobachtung, aber auch - wie bereits der Titel andeutet - leiser Melancholie aus. Dabei gelinge es dem Autor, den Eindruck zu erwecken, als würde es sich bei seinen Aufzeichungen um ?Standbilder eines angehaltenen Dokumentarfilms? handeln, weniger um Erzählungen im üblichen Sinne. Aber gerade dadurch scheint das Buch für die Rezensenten seine eindringliche Wirkung zu bekommen. Obwohl Mehmedinovic den Krieg selbst mit erlebt hat, erscheine er manchmal fast unbeteiligt, wenn er beispielsweise von ?aus ihren Rahmen gerissenen Fotos? oder ?Lilien, die aus Granatlöchern sprießen? erzählt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.11.1999

Achtung Verriss! Die "Washington Post" scheint das Buch als die beste literarische Bewältigung des Bosnien-Kriegs gefeiert zu haben. Aber die "Zeit"-Rezensentin Dorothea Dieckmann ist ganz und gar nicht dieser Meinung. Es stört sie zutiefst, dass Mehmedinovic, der 1996 in die USA emigrierte, in seiner Prosa an literarische Klischees der amerikanischen Literatur und an eine, so meint sie, Hemingwaysche Männertümelei und Kriegsromantik anknüpfe. "Katastrophal" findet sie auch die deutsche Übersetzung: "Der Text ist auf weite Strecken zur Unkenntlichkeit entstellt." Statt Mehmedinovic empfiehlt Dieckmann am Ende ihrer Kritik die Erzählungen von Miljenko Jergovic.
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