Mathias Mayer

Die Kunst der Abdankung

Neun Kapitel über die Macht der Ohnmacht
Königshausen und Neumann Verlag, Würzburg 2001
ISBN 9783826019920
Broschiert, 160 Seiten, 19,43 EUR

Klappentext

Die seltene Kunst der Abdankung steht meistens zwischen Realität und Fiktion ? prominent bei Karl dem Fünften, aber auch schon bei Diogenes und Alexander, in der Papstgeschichte und auf dem (Musik-)Theater, in der Philosophie bei Meister Eckart und besonders bei Arthur Schopenhauer. Shakespeare zeigt das Scheitern und das märchenhafte Gelingen des Machtvakuums, bei Schiller gibt es dagegen nur den Sieg oder die Niederlage, aber keine Abdankung von der Macht. Es sind im frühen 20. Jahrhundert vor allem die Ränder der europäischen Kultur, die die Last der Macht als Lust und List des Verzichts erfahren, Fernando Pessoa in Portugal, Jorge Luis Borges in Argentinien, Gustav Mahler und Hugo von Hofmannsthal in Wien. Bis hin zu den utopischen Entwürfen von Ingeborg Bachmann oder Albert Camus erscheint die Kunst der Abdankung als Asyl, als alternative Aufgabe, die weniger Ausnahme als Regel sein könnte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2001

Wer einmal Macht hat, gibt sie ungern wieder ab - weder in der Politik noch in der Kunst, schreibt Dieter Borchmeyer, der den Essay des Regensburger Germanisten Matthias Mayer über jene wenigen, die aus freien Stücken den Rückzug aus den Sphären der Einflussnahme vollzogen haben, ausgesprochen faszinierend findet. Das Buch hat dem Rezensenten einen dichten Einblick in das Schaffen von Künstlern, Musikern und Schriftstellern gegeben, die sich des heiklen Themas angenommen haben, allen voran William Shakespeare, dessen große Abdankungsszene in "Richard II" zu Lebzeiten von Königin Elisabeth nicht gedruckt werden durfte, berichtet der Rezensent. Der Autor führe eine ganze Reihe spannender Beispiele an, die der Leser ergänzen könne, denn erschöpfend sei die Darstellung von Mayer nicht. Macht aber nichts, denkt Borchmeyer, der Essay sei trotzdem facettenreich und sprachlich eloquent genug geraten.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.04.2001

Die These des Bandes umreißt Friedmann Harzer als die Vorstellung von der Abdankung als einer "Suspendierung der Geschichte ... die in utopischen Gegenentwürfen eine Aufhebung der gestundeten Zeit bewirkt". Wie sehr solch "freiwillige Resignation" an die Kunst gebunden ist und wie wenig sie dagegen Bestandteil der Realgeschichte werden kann, hat ihm der Autor am Beispiel der Abdankung Karls V. bzw. an modernen Autoren von Bachmann bis Pessoa und an einigen Dramen Shakespeares plausibel machen können. Eine bestechende Kulturgeschichte der Resignation, lautet Harzers Urteil, wenn ihm Brahms und Mahler und ein Kapitel über Schiller auch ein wenig fehl am Platz erscheinen.
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