Herausgegeben von Gerhard Fichtner, Ilse Grubrich-Simitis und Albrecht Hirschmüller. Der dritte Band, das Mittelstück der insgesamt fünfbändigen Edition der legendären 'Brautbriefe', dokumentiert den Beginn von Sigmund Freuds Erforschung des Kokains. Er glaubte in dieser Substanz, seinerzeit noch nicht als süchtig machende Droge erkannt, ein "Zaubermittel" entdeckt zu haben, geeignet vielerlei Krankheiten zu heilen und ihn als Arzt rasch berühmt zu machen: so könnte er der demütigenden Armut entkommen und die quälende Trennung von der in Hamburg lebenden Verlobten durch die ersehnte Heirat beenden. Seine überhasteten Kokain-Experimente haben damals wie heute Kritik ausgelöst. In diesem spannungsreichen Kontext erweisen sich 'Die Brautbriefe' einmal mehr als "die bedeutsamste Primärquelle der Freud-Historiographie".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.09.2019
Andreas Mayer bespricht den bereits 2015 erschienenen Band 3 der Brautbriefe zwischen Sigmund Freud und seiner Verlobten Martha Bernays gemeinsam mit dem nun erschienenen Band 4 der Ausgabe. Äußerst angeregt arbeitet sich der Kritiker durch die insgesamt mehr als tausend Seiten, die zum Verständnis der Psychoanalyse einiges beitragen, wie er schreibt. Denn Freud schreibt der Verlobten weniger Liebesgesäusel als eine Chronologie seiner Tätigkeit bei Jean-Martin Charcot in Paris und berichtet von seinen Träumen und therapeutischen Versuchen mit Kokain. Und so folgt der Rezensent dem jungen Arzt hier ins "Feenreich von Geist und Unglück", erlebt, wie dieser die Morphinsucht seines exzentrischen Freundes Ernst Fleischl mit Kokain zu kurieren versuchte und sich an dessen Gesellschaft und Zustand "berauschte". Dass die Herausgeber jene Aspekte, die Freud in kritischem Licht erscheinen lassen, im Kommentar unterschlagen werden, findet Mayer ärgerlich.
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