Joel Whitebook beleuchtet in seinem Buch die Person Freud, seine Gedanken, aber auch Irrwege. Anders als bisherigen Biografien zieht er die neueren Entwicklungen der psychoanalytischen Theorie und Behandlung, der Philosophie, Kulturtheorie und der gender studies zu Rate. Sein Blick richtet sich auf Freuds Gedankengebäude, das zeitgenössischen Ideen und Haltungen radikal entgegenstand. Das Entstehen dieser neuen Ideen erklärt er nicht nur aus dem biografischen, sondern auch vor dem gesellschaftlichen und kulturellen Hintergrund der damaligen Zeit. Gleichzeitig untersucht Whitebook die enorme Wirkung der freudschen Ideen auf die heutige Psychoanalyse, die Philosophie und die Sozialwissenschaften.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2018
Rezensent Andreas Mayer findet wenig Lesenswertes in Joel Whitebooks Freud-Buch. Dass der amerikanische Psychoanalytiker sich auf Freuds eigenen Ödipuskomplex stürzt, als wär's die heißeste Spur seit der Erfindung der Psychoanalyse, löst beim Rezensenten heftiges Kopfschütteln aus. Lieber als Whitebooks sich mit altbekannten Quellenfunden schmückenden Einlassungen zu Freuds Biografie hätte Mayer eine Selbstanalyse des Autors gelesen. Das Ergebnis des Buches, wonach Freuds Theorie maskulinistisch, phallogozentrisch sein musste, überrascht Mayer jedenfalls null. Ein für alle Mal zu weit treibt es der Autor nach Meinung des Rezensenten, wenn er seine Ausführungen in die Tradition der Kritischen Theorie stellt.
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