Aus dem Englischen von Erich Ammereller. Als die deutsche Wehrmacht 1938 in Wien einmarschiert, ist Freud bereits ein hochbetagter, vom Krebs gezeichneter Mann. Trotz seiner Krankheit lässt ihm die Bedrohung durch Hitler keine andere Wahl, als ins Exil zu gehen. Aber auch dort treiben ihn die dramatischen Entwicklungen in der einstigen Heimat um. In seiner letzten und umstrittensten Schrift entwickelt er die aufsehenerregende Theorie, dass Moses kein Jude, sondern Ägypter, und der Monotheismus eine ägyptische Erfindung war. Freud erkennt in Moses einen ganz eigenen Typus von Führergestalt und langt damit einmal mehr bei einem der zentralen Themen seiner späten Lebensjahre an: dem menschlichen Verlangen nach Autorität, das er nicht zuletzt durch den Nationalsozialismus befriedigt sieht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.11.2009
Ludger Lütkehaus erkennt das Risiko, das der Autor mit seinem Vergleich zwischen Hitler und Freud eingeht, zumal ihm Freud als der Dekonstrukteur der Autorität schlechthin erscheint. Neugierig prüft er deshalb den Erkenntniswert der Arbeit und ist froh, wenn Mark Edmundson moderat vorgeht und Freud immerhin eine gewisse Ambivalenz in Autoritätsdingen attestiert. Historisch und biografisch bringt der Band dem Rezensenten allerdings nichts Neues, und im Faktischen findet er Edmundson oft allzu spekulativ, so dass er lieber auf Peter Gay zurückgreift, um sich über Freuds letzte Jahre und kontroverse Aspekte seiner Biografie zu informieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.10.2009
Ganz schön gewagt findet Christine Pries die Figurenkonstellation in diesem Buch. Freud und Hitler als Antipoden? Im Verlauf der Lektüre hat Pries allerdings nicht nur ihre Freude an derart reißerischen Montagen und Spekulationen. Sie ahnt auch, wozu es dem Autor Mark Edmundson dienen soll. Dem Autor, stellt sie fest, geht es um nichts anderes, als um die Herausarbeitung von Freuds kritischem Bewusstsein und seinen zukunftsweisenden, weil unpatriachalischen Führungsqualitäten. Und siehe da: Edmundsons süffige Montagetechnik, die fiktive Dialoge gebiert und Figuren zum Leben erweckt, hat Balance, ist souverän, funktioniert, findet Pries. Jedenfalls was Freud betrifft.
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