Herausgegeben von Gerhard Fichtner, Ilse Grubrich-Simitis und Albrecht Hirschmüller. In Band 2 nimmt die stürmische Liebesgeschichte weiter ihren Lauf. Erneut kommt es zu Mißtrauenskrisen des noch tief unsicheren jungen Wissenschaftlers, deren Ursachen er schonungslos selbstkritisch untersucht und denen Martha mit inzwischen gewachsenem Selbstvertrauen und gestärkter Liebesfähigkeit immer umsichtiger begegnet. Im inspirierenden Dialog mit ihr beginnt Freud sich seinem späteren Forschungsfeld anzunähern, dem Seelenleben: "Ich studiere jetzt der Menschen Innerstes." Zahlreiche Briefe des Paars enthalten meisterhafte, novellenartige Charakter- und Schicksalsskizzen von Menschen ihrer Umgebung. Gegen Ende berichtet Freud von einem Besuch der Dresdner Gemäldegalerie und gibt Martha wunderbare Bildbeschreibungen von Raffaels Sixtinischer Madonna sowie der Madonna des Basler Bürgermeisters Meyer nach Holbein. Auch in Band 2 spiegelt sich in vielen Facetten das Gesicht der Epoche:ein kostbares Zeugnis der Hochkultur des Briefeschreibens.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2014
Den zweiten Band der Korrespodenz zwischen Sigmund Freud und seiner Verlobten Martha Bernays aus der Zeit zwischen 1882 und 1886 liest Andreas Mayer mit einigen Mühen wegen einiger Fehler und Ungereimtheiten, wie Verwechslung von Personen und Briefen, aber auch wegen eines allzu sachlichen Kommentars, der den Zugang zur Psychoanalyse für den Leser nicht erleichtert, wie Mayer schreibt. Abgesehen davon jedoch bietet der Band dem Rezensenten jede Menge Reflexives (weniger Eifersucht bei Freud, wie im ersten Band), vor allem zur Literatur. Mitunter nimmt dieser Austausch laut Mayer zwar "Züge eines Privatfeuilletons" an. Wie sich für Freud Literatur und Klinik verschränken, vermögen ihm die Briefe allerdings gut zu zeigen. Ferner Freuds strenge Selbstbeobachtung im Zusammenhang mit einzelnen Patientengeschichten, seine Aufregung beim erstmaligen Lesen Flauberts und so manch anderes Moment einer Vorgeschichte der Psychoanalyse.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.11.2013
Wahrlich ein Roman!, freut sich Bernd Nitzschke angesichts des zweiten Bandes der Freudschen Brautbriefe. Wer Freud näher kennenlernen möchte, als singenden Mozartinterpreten etwa, der muss laut Nitzschkes Beteuerungen dieses Buch haben. Vor allem scheinbare Nebensachen im Briefwechsel zwischen dem Psychoanalytiker und seiner Braut Martha Bernays bedeuten dem Rezensenten Freuds Nonchalance, seinen Humor und seine Selbstironie. Aber auch die Eifersucht! Hinreißend findet Nitzschke die Episode, wie Freud seiner Braut von einer neuen Präparationsmethode vorschwärmt, die er entdeckt hat, um kurz darauf zu beteuern, "daß Du, Süße, schöner bist als alle Methoden und Präparate." Aufschlussreich findet der Rezensent die in der Korrespondenz zu findenden Offenbarungen zu Freuds Heim-und-Herd-Denken. Die Arbeit der Herausgeber gefällt ihm im Ganzen gut, wenngleich er die ein oder andere Kontextualisierung vermisst.
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