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Marion Schreiber

Stille Rebellen

Der Überfall auf den 20. Deportationszug nach Auschwitz
Cover: Stille Rebellen
Aufbau Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783351025137
Gebunden, 352 Seiten, 20,40 EUR

Klappentext

Mit einem Vorwort von Paul Spiegel. Am 19. April 1943 stoppen drei junge Männer einen Zug, der 1.618 Juden vom belgischen Sammellager Mechelen nach Auschwitz transportiert. Ausgerüstet mit drei Zangen, einer mit rotem Papier beklebten Sturmleuchte sowie einer Pistole, führen Youra Livchitz, Jean Franklemon und Robert Maistriau einen Plan aus, den jüdische Widerständler erdacht, bewaffnete Partisanen aber als zu riskant verworfen hatten. Sie befreien 17 Männer und Frauen, dann eröffnen die deutschen Bewacher das Feuer. Bis der 20. Konvoi die deutsche Grenze erreicht, können weitere 225 Insassen fliehen ... Das Buch beruht auf privaten Dokumenten, Archivakten und Polizeiberichten, Recherchen und Interviews, darunter Gesprächen mit sechs Zeitzeugen, die aus dem 20. Konvoi fliehen konnten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.06.2001

Ein verdienstvolles Buch hat Marion Schreiber, ehemalige Brüssel-Korrespondentin des "Spiegels", da geschrieben, meint Jens Mecklenburg. Die Autorin berichtet über den belgischen Widerstand gegen die deutsche Besatzungsmacht und insbesondere über die Hilfsbereitschaft vieler Belgier, ihren jüdischen Landsleuten zu helfen. Immerhin hat etwa die Hälfte der jüdischen Bevölkerung Belgiens die Nazizeit überlebt, berichtet Mecklenburg. Auch Paul Spiegel, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, sei als Kind drei Jahre lang von einer belgischen Bauernfamilie versteckt worden. Es gab nicht nur Nachbarschaftshilfe und wohlgesinnte Polizisten, erzählt Mecklenburg weiter, sondern Schreibers gut recherchiertes Buch setze auch einer Gruppe von drei Einzelkämpfern ein Denkmal, die sich getraut haben, einen Deportationszug nach Auschwitz zu stoppen und zumindest einen Teil der Häftlinge befreien konnten. Partisanen war die Aktion zu riskant erschienen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2001

Dass Widerstand keineswegs zwecklos war, entnimmt Hans-Jürgen Döschner dieser ihn sehr beeindruckenden Studie von Marion Schreiber über jüdischen Widerstand im von den Nazis besetzten Belgien. Das Buch ist seiner Meinung nach nicht nur "lesenswert", sondern auch sehr gut "lesbar". Es enthalte zudem neben dem spannenden zentralen Bericht über einen gelungenen Überfall auf einen Deportationszug sehr interessante Einsichten in das jüdische Alltagslebens während der Besatzungszeit. Besondere Beachtung des Rezensenten findet das "eindrucksvolle" Vorwort des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland Paul Spiegel, der selbst sein Überleben der Solidarität einer belgischen Bauernfamilie verdankt. Döscher würdigt ausdrücklich den "Verdienst der Arbeit von Marion Schreiber", dem belgischen jüdischen und nichtjüdischen Widerstand, dem nach Berechnungen des Rezensenten 20000 Juden ihr Leben verdanken, ein angemessenes Denkmal gesetzt zu haben.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.12.2000

Am Anfang ein Bekenntnis der Rezensentin Cornelia Bolesch: Sie wollte "das alles nicht noch einmal lesen", es falle immer schwerer, stets aufs Neue Wut und Entsetzen zu mobilisieren angesichts des Nazi-Grauens. Dann hat sie der vorliegende Band über das Verhalten des belgischen Volkes unter deutscher Besatzung doch begeistern können. Die Belgier, so lässt sich dem Buch offenbar entnehmen, haben sich gegenüber den Juden alles in allem beinahe untadelig verhalten. Zwar gab es nicht unbedingt aktive Unterstützung (und Vertreibungen fanden statt wie andernorts), aber keiner, der Unterschlupf suchte, wurde verraten. Die Autorin habe die Archive "wie eine besessene Archäologin" durchsucht, was mitunter fast zur "Überfülle der Personen und Ereignisse" führe. Dennoch: Schwarz-Weiss-Zeichnung, so Bolesch, wird dadurch vermieden und am Ende freut sich die Rezensentin mit einem der Überlebenden, "dass eine Deutsche ein solches Buch geschrieben hat."
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.11.2000

Mit "offener Sympathie" porträtiert die ehemalige Spiegel-Korrespondentin Marion Schreiber drei Belgier, die 1943 einen Zug stoppten, der nach Auschwitz unterwegs war. Über 200 Juden konnten daraufhin fliehen. Ebenfalls voll offener Sympathie bespricht Volker Mauersberger "die detailliert recherchierte, wie in einem Dokumentarroman erzählte Geschichte", von der Autorin "ohne Pathos" in den Kontext der deutschen Okkupation gebettet. In Belgien überlebten mehr als die Hälfte der Juden, weil die Bevölkerung ihnen vielfach half. Da lernt man viel über "Mut, Zivilcourage und einen aufrechten Gang", so Mauersberger, der dem Buch viele junge Leser wünscht.