Aharon Appelfeld

Auf der Lichtung

Roman
Cover: Auf der Lichtung
Rowohlt Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783871347719
Gebunden, 320 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler. Edmund kann gerade noch dem Todeszug entkommen. In den karpatischen Wäldern findet der Siebzehnjährige Zuflucht bei jüdischen Partisanen, die Aktionen gegen die Nazis wagen. Obwohl ständig größte Gefahr droht, leben die Widerständler wie in einer großen Familie zusammen. Hier, in einer Welt voller Drangsal wie voller Geborgenheit, reift Edmund zum Mann. Als es schließlich gelingt, viele Juden aus einem Zug zu befreien, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit: Das Ende des Krieges ist spürbar nah, doch die große Gruppe kann sich kaum mehr versorgen und vor den patrouillierenden Deutschen verbergen. In seinem jüngsten Roman wendet sich Aharon Appelfeld einem für ihn neuen Thema zu: Erstmals erzählt er vom jüdischen Partisanenkampf.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.08.2014

Sehr gern hat Katharina Granzin Aharon Appelfelds Roman über eine Gruppe jüdischer Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg gelesen, in der auch der Autor selbst, wäre er nur etwas älter, hätte landen können. Gerade dieser "What if"-Aspekt ist es, der dieser Geschichte etwas "Träumerisches, Schwebendes, gar nicht wirklich Realistisches" verleiht, schreibt die Kritikerin. Was aber auch daran liegen mag, dass sich Appelfeld weniger auf die große Erzählung und schon gar nicht auf die kleinteilige Logistik konzentriert. Stattdessen fokussiert er die zwischenmenschliche Ebene: Diese in den Karpaten agierende Gruppe sich zu verteidigen wissender Zionisten lebt im Innern nämlich so etwas wie eine humanistische Utopie, erklärt die Rezensentin sehr gerührt und führt weiter aus, dass man darin durchaus auch eine Anspielung auf den Staat Israel sehen kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2014

Jakob Hessing ist erstaunt, wie konsequent der Autor sein Thema, den Judenmord, nun schon seit über 50 Jahren bearbeitet. Als Roman möchte er nicht bezeichnen, was Aharon Appelfeld hier wiederum und möglicherweise souveräner als jemals vorlegt, eher als Mosaik von Novellen um den Untergang einer Welt. Hessing macht autobiografische Elemente aus, aber erkennt auch die Unterschiede: Der Held ist älter, als es der Autor zwischen 1942 und Kriegsende, dem Zeitraum des Textes, war, und er hat andere Erinnerungen und Ambitionen. Als Reifeprozess mit eigenem Rhythmus lässt sich die Geschichte des 17-jährigen Edmund laut Rezensent dennoch lesen. Sprachlich täuschend einfach und wie ein Manifest der Menschlichkeit zu lesen, erinnert das Buch den Rezensenten an Camus' "Die Pest", nur dass der Autor kein Atheist sei, sondern deutlich traditionell und mythologisch geprägt, wie Hessing erklärt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 31.01.2014

Begeistert berichtet Judith von Sternburg von ihrer Lektüre. Der Erinnerungsroman des 81-jährigen Aharon Appelfeld an die Partisanenkämpfer in der Ukraine im Zweiten Weltkrieg scheint ihr philosophisch wie literarisch bedeutend. Philosophisch in der Erörterung der Frage, ob das Entsetzliche Gutes bewirken kann. Literarisch in der sprachlichen, möglichst pathosfreien Bewältigung des Krieges, hier, wie Sternburg erstaunt vermerkt, in beinahe biblisch hohem Ton. Der individuelle Kampf gegen Verrohung und Verdummung ist ihr, derart gut informiert und kunstvoll aufbereitet, selten untergekommen.
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