Der Widerstand der "Weißen Rose" ist in der deutschen Geschichte einzigartig. Im offiziellen Geschichtsbild der Deutschen nach 1945 verkörpert diese Gruppe das bessere Deutschland und steht für den zivilen Widerstand. Zumeist wird der Name "Weiße Rose" mit der Aktion am 18. Februar 1943 verbunden, als die Geschwister Scholl Flugblätter in den Lichthof der Ludwig-Maximilian-Universität in München streuten. Dies führte zu ihrer spektakulären Verhaftung durch die Gestapo und zur Verurteilung zum Tode durch den "Volksgerichtshof". Der Widerstand der "Weißen Rose" steht in engem Zusammenhang mit den nationalsozialistischen Gewalttaten, denen sie als Sanitätsfeldwebel in Russland begegneten. Auf der Grundlage bislang unveröffentlichter Briefe, Aufzeichnungen, Vernehmungsprotokollen und militärhistorischer Akten wird gezeigt, wie das Erleben von Zerstörung, Besatzung und des sinnlosen Todes deutscher Soldaten die Gruppe radikalisierte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 25.04.2003
Ein notwendiges Stück Geschichtsschreibung ist diese Rekonstruktion der Geschichte der Weißen Rose, findet der Rezensent Horst Scheffler. Die Widerstandsgruppe der Nazi-Zeit ist im öffentlichen Gedächtnis vor allem durch die missglückte Flugblattaktion verankert, die zu ihrer Enttarnung führte, doch über die Genese der Gruppe weiß man zu wenig, meint der Rezensent. Autor Detlef Bald widme sich insbesondere auch der Vorgeschichte der Weißen Rose: Die Männer der Gruppe waren im Rahmen ihres Medizinstudiums an die Ostfront geschickt worden und lernten dort die Realitäten des Kriegs kennen - auch weil sie sich aktiv um einen engen Kontakt zur russischen Bevölkerung bemühten. Als sie zurück in Deutschland waren, sahen sie die absolute Notwendigkeit für einen sofortigen politischen Umsturz. Abschließend versuche Bald sich an einem Vergleich der Ethik der Widerstandsgruppe "mit den Grundlagen der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland". Diesen Ansatz findet der Rezensent sehr "instruktiv", denn er verweise auf die Weiße Rose als "einen Grundstein der heutigen politischen Ordnung".
Volker Ullrich sieht in diesem Buch über die "Weiße Rose" ein bislang übersehenes Kapitel in der Geschichte der Widerstandsgruppe aufgegriffen, was er nachdrücklich begrüßt. Der Autor kann in seiner Studie nämlich zweifelsfrei zeigen, dass Hans Scholl und seine Freunde entscheidend durch die Erfahrungen während ihrer Sanitäterausbildung, die sie obligatorisch vor ihrem Medizinstudium zu absolvieren hatten, geprägt worden sind, so der Rezensent angetan, der es ziemlich erstaunlich findet, dass sich bisher niemand dieser Zeitspanne im Leben der Widerstandskämpfer angenommen hat. Sowohl über die Judenvernichtung als auch über das Warschauer Ghetto und die Erschießung von russischen Kriegsgefangenen hätten sie im Lauf ihrer Ausbildung an der Ostfront erfahren, woraus sich ihre überzeugte Widerstandshaltung gegenüber dem NS-Regime ergeben habe, fasst Ullrich die Ergebnisse des Autors zusammen. Er preist das Buch dafür, einen "wichtigen Beitrag" dazu zu leisten, der "Weißen Rose" ihren gebührenden Platz in der Geschichte des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus zu geben.
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