Lutz Kleveman

Lemberg

Die vergessene Mitte Europas
Cover: Lemberg
Aufbau Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783351036683
Gebunden, 315 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Die Biografie einer Stadt. Einst Teil des Habsburger Reichs, galt Lemberg als "Jerusalem Europas", wo Polen, Juden, Ukrainer und Deutsche zusammenlebten. Namhafte Künstler und Wissenschaftler prägten eine Moderne, die der in Berlin und Wien in nichts nachstand. Dann verlor Lemberg wie so viele mitteleuropäische Städte durch Krieg, Holocaust und Vertreibung fast alle Einwohner - und damit sein Gedächtnis. Siebzig Jahre später, inmitten der Ukraine-Krise, sucht Lutz C. Kleveman die verschüttete Vergangenheit der Stadt freizulegen. Was er dabei entdeckt, ist nicht weniger als die Geschichte Europas bis heute.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.07.2017

Rezensent Stefan Reinecke hat sich von Lutz C. Klevemann gern das rohe, "narbige Antlitz" von Lemberg zeigen lassen. In seinem zwischen Essay, historischer Recherche und Reisebericht mäandernden Text gewährt der Journalist Einblicke in die verdrängte, von totalitären Regimen geprägte Geschichte der Stadt, lobt der Kritiker: Er liest hier etwa, wie nach Stalins Terrororganisationen und dem Vernichtungskrieg der SS die einst multiethische Stadtgesellschaft fast vollständig ausgelöscht wurde. Zugleich lernt Reinecke hier den eigenwilligen "Charme" der Stadt kennen, etwa wenn er erfährt, dass Gäste in einem Sacher-Masoch gewidmeten Restaurant mit zwei Peitschenhieben begrüßt werden. Dass Klevemann mit "unvoreingenommener" Neugier, aber nie mit dem "Moralismus der Nachgeborenen" erzählt, rechnet ihm der Kritiker hoch an.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.07.2017

Stephan Stach empfiehlt Lutz C. Klevemans Buch über Lemberg als Reisepropädeutik. Allerdings räumt er ein, dass dem Autor der Spagat zwischen Historie und Gegenwart nicht dauerhaft so gut gelingt wie am Anfang seines Textes. Zauberhaft sind Klevemanns Ausführungen über postsozialistisches Flair vor allem wegen Lemberg selbst, meint Stach, der den Blick des Autors als den eines Westuropäers entlarvt, der überall nur Westeuropäisches sucht. Zu den starken Abschnitten gehört für Stach die Rekonstruktion des multiethnischen Geisteslebens der Stadt zwischen 1918 und 1939, umso mehr, als der Autor die ethnischen Spannungen in der Stadt ansonsten eher zu betonen neigt, wie Stach feststellt.
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