Ljudmila Ulitzkaja

Eine Seuche in der Stadt

Szenario
Cover: Eine Seuche in der Stadt
Carl Hanser Verlag, München 2021
ISBN 9783446269668
Gebunden, 112 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt. Moskau 1939. Rudolf Iwanowitsch Mayer berichtet über den Stand der Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Pest. Niemand ahnt, dass der Forscher selbst infiziert ist. Aber am Abend wird er ins Krankenhaus gebracht. Diagnose: Lungenpest. Das Krankenhaus wird unter Quarantäne gestellt, wer mit ihm Kontakt hatte, zu Hause abgeholt. In der Zeit des Großen Terrors fürchtet jeder, in Stalins Folterkeller zu kommen. Oberst Pawljuk erschießt sich, als der schwarze Wagen vor seiner Tür hält, eine Frau verrät ihren Mann an den Geheimdienst … Was geschieht, wenn eine Epidemie auf eine paralysierte Gesellschaft trifft?

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 02.03.2021

Rezensent Yannic Han Biao Federer braucht nicht den Bezug zur aktuellen Pandemie, um Ljudmilla Ulitzkajas Text von 1978 interessant zu finden. Die Geschichte eines Impfstoffforschers, der sich im Moskau der dreißiger Jahre selbst mit dem Pesterreger infiziert, die Geschichte auch der rasend effizienten Bekämpfung der Pest durch Stalins in Nachverfolgungsmaßnahmen geübten Geheimpolizei erzählt die Autorin laut Rezensent auf knappem Raum, mit jeder Menge schwarzem Humor und dem in der Erfahrung der Autorin mit dem Stalinismus gründenden Hinweis, dass die Pest im Vergleich zur totalen Herrschaft doch wohl das kleinere Übel sei.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.02.2021

Rezensent Burkhard Müller empfindet die Szenenhaftigkeit dieses Buchs als überaus passend für die Erzählung der Verhinderung einer Pest-Epidemie in der Sowjetunion von 1939, denn die rasante Reaktion des stalinistischen Regimes auf die Kenntnis über eine infizierte Person wird in dieser Form in den Augen des Kritikers ideal widergespiegelt. Durch die Schilderung von nächtlichen Abholungen der Kontaktpersonen entsteht ein Porträt des Stalinismus, lobt Müller, für den die Darstellung in der Erkenntnis gipfelt, dass es Gesellschaftsordnungen gibt, in denen "es ein Trost sein kann, wenn es nur die Pest ist." Außerdem würdigt der Rezensent die hervorragende Übersetzung von Ganna-Maria Braungardt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2021

Rezensentin Sabine Berking staunt nicht übel, dass Ljudmila Ulitzkaja diesen Text über Stalins Sieg über die Pest im Jahr 1939, den Berking lieber als Szenario bezeichnet denn als Roman, bereits 1978 verfasst hat. Vor dem Hintergrund der jetzigen Pandemie liest sich die als Drehbuch gedachte Story um Mikroben und staatlichen Terror laut Berking noch mal so spannend. Die knappen Dialoge und Szenen passen gut zur angstbelegten Atmosphäre der Handlungszeit, findet Berking, dass im Text meistens Nacht ist, ebenso.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.01.2021

Rezensentin Cornelia Geißler hält Ljudmila Ulitzkajas ursprünglich für einen Drehbuchkurs geschriebenes Buch für "grausig-gut". Dass der Text von 1978 über einen Pestausbruch in einem Labor in der Sowjetunion im Jahr 1939 gerade heute so spannend ist, wie Geißler versichert, leuchtet sofort ein. Aber auch formal überzeugt das Buch die Rezensentin mit fast romanhaft ausgearbeiteten Szenen und Dialogen, treffenden Figuren- und Milieubeschreibungen, Humor bzw. Sarkasmus und jeder Menge Dramatik.