Grigori Rjaschski

Moskau. Bel Etage

Roman
Cover: Moskau. Bel Etage
Kiepenheuer und Witsch Verlag, München 2009
ISBN 9783462040715
Gebunden, 400 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Mit einem Vorwort von Ljudmila Ulitzkaja. Aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt. Gleich bei den Patriarchenteichen, dort, wo die Geschichte von "Der Meister und Margarita" ihren Ursprung nahm und wo heute Moskaus Neue Mitte erwächst, steht der Inbegriff Moskauer Jugendstils, erbaut von Semjon Mirski, Architekt und angesehenes Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Dort wohnt auch der Erbauer selbst mit seiner Frau, Rosa Markowna Mirskaja, in direkter Nachbarschaft zu den hohen Persönlichkeiten der Stadt. Doch wer angesehen ist und wer nicht, ändert sich mit den Zeitläufen, und so verändert sich auch die Nachbarschaft der Mirskis zwischen den Jahren der Oktoberrevolution und dem Zusammenbruch der Sowjetunion mehrfach. Und auch in der Familie Mirski geraten die jüdischen Traditionen von einer Generation zur nächsten immer mehr ins Wanken, wäre da nicht der beharrliche Wille der Mutter, Groß- und Urgroßmutter Rosa, die mit unendlicher Geduld die Familie zusammenhält.
Angelehnt an die Geschichte der russisch-jüdischen Familie Ginzburg, der er selbst wie auch seine Cousine Ljudmila Ulitzkaja entstammen, entwirft Grigori Rjaschski ein lebendiges Panorama der russischen Gesellschaft im Wandel der Zeiten - in dessen Mittelpunkt Rosa Markowna, erhaben über die Unbill der Geschichte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.12.2009

Für den Rezensenten Ulrich M. Schmid ist es nicht die psychologische Figurenzeichnung, die Grigori Rjaschskis Roman über eine russisch-jüdische Familie im 20. Jahrhunderts in einem Moskauer Haus so reizvoll machen. Denn die Familienmitglieder der Mirskis, deren männliche Vertreter eine künstlerische Ader und eine ungebremst ausgelebte Sexualität eint, werden konsequent von außen dargestellt und erschließen sich allein durch ihre Haltungen und Handlungsmaximen, erklärt der Rezensent. Seine Wirkung nun erziele der Roman durch das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Menschen und der Fragen, die sich durch die individuellen Erfahrungshintergründe wie die Haft im Gulag, oder das Denunzieren Unschuldiger zum eigenen Vorteil ergeben. Bei Rjaschski liegt die "literarische Wahrheit" in dem "kontrollierten" Aufeinanderprallen von "Geschichte, Individuum und Ort". In seinen geradezu filmischen Szenen gelinge dem Autor, der in Russland auch als Filmproduzent und Drehbuchautor bekannt ist, so etwas wie die "symbolische Autobiografie" einer ganzen Familie, preist der Rezensent.

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