Orlando Figes

Hundert Jahre Revolution

Russland und das 20. Jahrhundert
Cover: Hundert Jahre Revolution
Hanser Berlin, Berlin 2015
ISBN 9783446247758
Gebunden, 384 Seiten, 26 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Bernd Rullkötter. Eine Geschichte Sowjetrusslands von den Wurzeln des Bolschewismus bis zum Putsch gegen Gorbatschow 1991. Laut Orlando Figes erstreckt sich die Wirkung der Russischen Revolution von 1917 über die Jahrzehnte der Diktatur bis in die Gegenwart. So waren die Sowjetführer bis zuletzt überzeugt, dass sie die von Lenin begonnene Revolution fortsetzten und auf ihre Ziele hinarbeiteten: eine kommunistische Gesellschaft des materiellen Überflusses für das Proletariat und ein neuer kollektiver Menschentyp. In einem historischen Moment, da in Russland unter Putin die autoritäre Staatstradition wiederauflebt, liefert Figes eine Interpretation des russischen 20. Jahrhunderts.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.06.2015

Mit seinem Versuch, 100 Jahre sowjet-russischer Geschichte in einem Band von überschaubarem Umfang zu bündeln, wagt sich Historiker Orlando Figes an ein eigentlich nicht zu bewältigendes Unterfangen, meint Rezensentin Katharina Granzin. Daran gemessen findet sie das Buch zwar durchaus gelungen. Doch gemessen an den vom Autor selbst gesteckten Ansprüche gilt dies in ihren Augen nur bedingt: Figes' explizit geäußertes Vorhaben, die Geschichte der Sowjetunion als "revolutionären Zyklus" von 100 Jahren darzustellen, sieht Granzin nicht verwirklicht, wie es dem Autor ihrer Ansicht nach auch nicht recht gelingt, neue Antworten für alte Fragen zu finden. Immerhin: Als erhellenden Faktenlieferanten zur Geschichte Russlands - insbesondere vor dem Hintergrund aktueller politischer Spannungen - findet sie den Band nützlich.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.05.2015

Der hundertste Jahrestag der Russischen Revolution wirft bereits seine Schatten voraus, und Gerd Koenen fragt sich, was die russische Wissenschaft zu diesem Datum hervorbringen wird. Orlando Figes' "Hundert Jahre Revolution" kann er als lesbares und instruktives "Lehr und Lesebuch" zum Thema sehr empfehlen, auch wenn es in seinen Augen nicht das Gewicht anderer Figes-Bücher, etwa "Die Trägödie eines Volkes" oder "Die Flüsterer", hat. Die Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert unter den Begriff der Revolution zu fassen, findet Koenen problematisch, schon weil Lenins Bolschewiki mit ihrem Putsch im Oktober der großen Februarevolution ein Ende bereiteten und auch Stalin in seinen Augen eher ein Konterrevolutionär war. Aber als Abriss der Geschichte eines Landes, dessen "aggressive Unruhe" der Welt gerade wieder sehr zu schaffen macht, findet er das Buch sehr schlüssig.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.04.2015

Erzählen kann Orlando Figes zweifelsfrei, vermerkt Rezensent Jan Plamper nach der Lektüre des neuen Buches "Hundert Jahre Revolution". Darüberhinaus kann er dem Werk, das als Gesamtdarstellung russischer Geschichte von 1891 bis zum Ende der Sowjetunion daherkommt, nicht viel abgewinnen. Figes' Thesen überzeugen ihn nicht, die Gewichtung erscheint ihm falsch, und auch einen Blick auf den aktuellen Stand der Forschung vermisst er. Überhaupt gerät dem unzufriedenen Rezensenten das Buch zu "russozentrisch". Und so kann er nur vermuten, dass diese populärwissenschaftliche Synthese älterer Arbeiten Figes' dem Verlagsdruck geschuldet ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.03.2015

Michael Hesse hat Orlando Figes' Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert offenbar verschlungen. Auf nicht einmal vierhundert Seiten erzähle der britische Historiker packend, wie das Land der permanenten Umwälzung ausgesetzt war, von der ersten Revolution im Jahr 1905 über die große Oktoberrevolution, den Bürgerkrieg, die Kollektivierung, den große Terror, den Krieg, das Tauwetter, die bleierne Jahre. Hesse liest in zwanzig Kapiteln zu zentralen Ereignissen noch einmal nach, wie gewalttätig bereits Lenin agierte und Stalin eine regelrechte "Politik des Bösen" betrieb, wie der alles andere als unbeschriebene Chruschtschow dem schlimmsten Schrecken ein Ende bereitete und Gorbatschow die Sowjetunion schließlich ganz abwickelte. Neu scheint dem Rezensenten das alles nicht zu sein, aber gut aufbereitet. Umso unverständlicher ist ihm, wie Putin heute den Untergang der Sowjetunion nicht als Gewinn, sondern als Verlust verbucht.